von Annegret Jopp

Von Anpassungen und Möglichkeiten – das Südcafé im Lockdown

April 2025 | Südcafé Leipzig

Das Südcafé wird 10 Jahre alt! Ein schöner und guter Grund zu feiern. Ich gratuliere herzlich zu 10 Jahren zuverlässiger Begleitung von geflüchteten Menschen, 10 Jahre voll mit Begegnungen, Interesse an Anderen, Kennenlernen, Grenzen überwinden, manchmal auch aushalten. Offenheit für andere Kulturen, andere Ansichten, andere Lebenswege. Ich glaube, das ist es, was das Südcafé ausmacht. Dass es so lange besteht, dass es immer weiter blüht und gedeiht.

Eine ganz besonders herausfordernde Zeit war ab 2020 die Zeit der Einschränkungen in der Coronapandemie. Erst ein Lockdown, danach konnten wir uns eine Weile draußen treffen, es war am Anfang heiß, dann wurde es frisch und regnete, der Kirchenraum der Peterskirche war groß genug, um uns in Gruppen von fünf bis sechs Personen in verschiedenen Bereichen mit Abstand zu treffen. Die Akustik allerdings machte uns Gespräche in diesen Kreisen schwer, die Maske auch. Aber wir konnten uns sehen, wir konnten reden. Dennoch blieben viele zur Sicherheit lieber zu Hause, wer wusste schon, was wirklich hilft, was sicher war. Die Regeln änderten sich ständig. Begegnungen mussten nachvollziehbar sein, dokumentiert werden. Und am Ende gab es wieder einen Lockdown.

Wir versuchten bei den ersten Lockerungen, Spaziergänge zu organisieren und Begegnungen zu zweit. Ein paar gelangen, aber eine Schwierigkeit im Südcafé zeigte sich hier sehr deutlich. Verabredungen zu ganz konkreten Zeitpunkten sind eine sehr mitteleuropäische Kultur, es gelang selten. War unser Angebot zu unkonkret, sind Begegnungen zu zweit zu persönlich?

Eine andere Möglichkeit waren Online-Treffen, wir konnten Dokumente teilen, vorlesen, diskutieren. Das setzte aber eine gewisse technische Ausstattung voraus und war bei Handynutzung wohl auch recht teuer, zu viel Datenverbrauch. Die üblichen Südcafé-Besuchenden waren nicht dabei. Wir hatten eine neue Zielgruppe, die unseren Link fröhlich teilte. Menschen aus der Türkei, die Erdogans Politik nicht unterstützten und hier in Deutschland für die Arbeitserlaubnis Deutsch lernen wollten. Vor allem Ärzt*innen waren dabei. Wir diskutierten über alles, Zeitungsartikel, Grammatik, Corona. Und wir lernten, dass solche Online-Formate Regeln brauchen und jemanden, der sie durchsetzt. Vor allem Redezeiten sind einzuhalten.

Besonders gerne erinnere ich mich an Jette, die aus Hamburg nach Leipzig gezogen war, vor dem Studium noch etwas Zeit hatte und dem Südcafé helfen wollte. Mit Energie und Freude leitete sie solche Online-Gespräche, machte sich zu Spaziergängen auf. Und wir starteten zusammen den Südcafé-Instagram-Account. Wie stellt man Südcafé dar, ohne dass Südcafé stattfindet? Tassen mit dem Südcafé-Logo erlebten manche Abenteuer ...

Am Ende war unsere große Sorge, dass nach dieser langen Pause ohne Begegnungen, ohne zwanglose Treffen bei Kaffee und Tee, die Zeit des Südcafés vorbei sein könnte.

So war es zum Glück nicht. Das Südcafé kann sich an neue Bedingungen anpassen, kann seinen Ort ändern, es können wenige Menschen kommen oder sehr viele. Es bleibt ein Ort der Begegnung, der Offenheit für andere Menschen. Ein Ort, der wirklich Freude macht, wenn man dabei sein kann. Die Begegnungen mit Menschen aus aller Welt sind bereichernd, interessant wie Weltreisen in ganz kurzer Zeit.

Ich wünsche dem Südcafé noch viele Jahre Zeit für Begegnungen und Gespräche, offenen Austausch, Hilfe im Alltag! Macht einfach weiter so mit den nötigen Anpassungen an die vorhandenen Möglichkeiten. Es wird immer Möglichkeiten für wunderbare interkulturelle Begegnungen geben.

Annegret Jopp war von 2015 bis 2023 im Südcafé tätig und übernahm dabei die Leitung dieses Ortes.