Friedensgebet am Freitag

 

Auch weiterhin wollen wir jeweils am Freitag ab 18 Uhr in der Paul-Gerhardt-Kirche ein Friedensgebet halten, in dem wir unsere Betroffenheit und Fürbitten im Blick auf die vom Krieg betroffenen Menschen ins Gebet nehmen.

Es ist so gedacht, dass zuerst ein kurzes gemeinsames Gebet nach einer festen Liturgie gehalten wird und danach die Kirche noch bis 19 Uhr geöffnet bleibt für das Gebet – mit der Möglichkeit, Gebetslichter zu entzünden.


»Gib Frieden, Herr, gib Frieden«

Betrachtung von Claudia Gärtner im Gemeindeblatt April/Mai

Zurzeit begleitet mich das Lied »Gib Frie­den, Herr, gib Frieden« unter der Nr. 430 im Ev. Gesang­buch. Ich habe es vor kur­zem bei verschie­denen Gelegen­heiten in unserer Stadt gehört und mit­gesun­gen. Nun ist es ein kleiner Bestand­teil in meinem Alltag geworden. Wenn ich es summe oder leise vor mich hinsinge, be­merke ich, wie die Ruhe­losigkeit in den Momenten voller Weltschmerz ein Stück abfällt und ich wieder durchatmen kann. Oft bete ich dabei. Gib Frieden, Herr, die Erde wartet sehr. Gott möge mich fried­lich werden lassen und mir Frieden in meinen Gedanken schenken.

Wenn wir über Frieden sprechen, denken wir meist an das große Welt­geschehen, daran, wo aktuell militä­rische Konflikte aus­getragen werden. Wie fragil Frieden ist, erleben wir gerade. Wo Menschen ohne Frieden sind, entstehen Aggres­sionen und Un­gerechtig­keit. Und so sehr diese Gräuel unser Bewuss­tsein von der Not­wendig­keit des Friedens prägen, so lassen sie uns doch manchmal vergessen, dass Frieden nicht nur global gestiftet werden muss. Er ist ein hohes Gut und liegt in unserer Ver­antwor­tung. Wenn er bewahrt wird, stellt sich akut auch nicht die Frage danach. Und trotzdem brau­chen und wollen wir ihn. Und wir wollen nicht die ganze Zeit darüber nach­denken müssen, wie wir ihn bekommen.

Jetzt erleben wir ruhelose Zeiten. Zeit, sich einmal die Frage zu stellen: Wann also beginnt Frieden? Und wo fängt er an? Unruhig wird das Herz angesichts von Leid und Unterdrückung. Dass Frie­den jedoch kein Konstrukt oder eine Illusion ist, weil Waffen produziert wer­den, ist auch klar. Doch ich glaube nicht an irgendeinen Friedensengel, der da­herkommt. Unser Leben steht in Gottes Hand – diese Gewissheit schafft Ruhe und Frieden in mir. Vor allem nimmt sie, was mich ruhelos und friedlos macht. Ich glaube, Frieden ist eine tiefe Empfindung, die Gott uns ins eigene Herz gelegt hat. Jesus ist auf uns Menschen zugegangen, hat uns den Frieden gestiftet und wir kön­nen ihn weitertragen. Nie kann ich das Verhalten meiner Mit­menschen ändern. Immer nur mein eigenes.

Ich kann selbst ein Friedens­engel sein, dafür beten und singen, dass ich nicht ruhelos hinterher jage: Gib Frieden, Herr! Gib Frieden! Lass ihn in mir suchen. Lass mich eine Friedens­stifterin sein. Ich kann auch mit meiner Idee des Friedens nur mit gutem Beispiel voran­gehen, darin was ich sage und vor allem tue.

Wo beginnt Frieden für Sie und Euch? Für mich beginnt er in mir und bezieht zugleich mein Gegen­über ein. Im Klei­nen kann er zugleich mit dem Großen verknüpft werden – vor der Haustür, mit unseren Nachbarn, unserer Kirche, in unserer Stadt, in unserer Gesell­schaft. Nur eine Gesell­schaft, die in Frieden mitein­ander lebt, kann auch nach außen Frieden stiften, dass Güte und Treue einander begegnen, Gerechtig­keit und Friede sich küssen (Ps 85,11).

Ihre und Eure Vikarin Claudia Gärtner

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