Eröffnung und erste Jahre
Juli 2025 | Südcafé Leipzig
Ich erinnere mich noch genau daran, wie ich 2014 gemeinsam mit Pfarrer Christoph Maier eine Erstaufnahmeeinrichtung hier in Leipzig besuchte. Ich war damals Vikarin in der Bethlehemgemeinde und es waren meine ersten Monate im Dienst. Es war erschreckend, anders kann ich es nicht beschreiben. Die Enge, die Unsicherheit, die Ungewissheit der Menschen, die dort untergebracht waren, haben mich tief berührt. Schnell war klar: Wir wollten etwas tun, um die ankommenden Menschen in unserem Land willkommen zu heißen. Doch genauso wichtig war uns, dass dies auf Augenhöhe geschieht, mit echtem, interessiertem Austausch und gegenseitigem Lernen.
So entstand die Idee eines Begegnungscafés: Ein Ort, an dem wir miteinander ins Gespräch kommen und uns kennenlernen konnten. Wie das Café sich dann entwickelt, ließen wir offen. Auch um Spielraum zu haben, je nachdem, was sich als Wunsch, Bedarf entwickelte oder auch nicht.
Die Suche nach Unterstützung begann, und wir fanden die passende Bundesfreiwilligendienstleistende für dieses Projekt. Und so nahm alles Fahrt auf. Eine Gruppe Freiwilliger wurde schnell gefunden. Andere engagierte Menschen, die das gleiche Ziel verfolgten: einen Raum der Begegnung zu schaffen. Die nächste große Herausforderung war die Suche nach geeigneten Räumlichkeiten. Doch glücklicherweise fanden wir bald eine Lösung: Unser “Südcafe“, wie wir es benannten, konnte in der Cafeteria des Evangelischen Schulzentrums Leipzig untergebracht werden.
Nun begann die eigentliche Planung:
• Was brauchen wir, um das Café zum Leben zu erwecken?
• Wann und wie oft sollten wir öffnen?
• Wie gestalten wir die Atmosphäre, damit sich alle wohlfühlen? Welche Regeln gibt es?
• Wie organisieren wir regelmäßige Treffen, um unser Konzept zu verbessern und neue Ideen zu entwickeln?
• Wie bekommen die Menschen mit, dass es uns gibt?
Nach Monaten intensiver Vorbereitung und einem Wechsel des Bundesfreiwilligendienstes zu Annegret Jopp war es endlich so weit: Unser Südcafe eröffnete am 27. Oktober 2015 seine Türen.
Und es wurde sofort gut angenommen! Schnell fanden sich Menschen unterschiedlicher Herkunft zusammen. Beim Spielen (Uno war besonders beliebt), beim Sprachenlernen, beim Erzählen ihrer Geschichten. Und natürlich durften Kaffee und Kuchen nicht fehlen. Eine universelle Sprache der Gastfreundschaft.
Und das Südcafe entwickelte sich weiter. Bald entstanden neue Ideen und Projekte: Themenabende, Musikveranstaltungen, sogar ein interreligiöser Austausch und Religionsunterricht fanden ihren Platz. Aus einer anfänglichen Idee wurde ein lebendiger Treffpunkt, der Menschen zusammenbrachte, Brücken baute und Freundschaften entstehen ließ. In den folgenden Monaten justierten wir immer wieder nach. Was lief gut? Wo gab es Probleme? Mit gemeinschaftlichem Engagement durfte sich das Südcafe stets weiterentwickeln und dazulernen.
Es ist beeindruckend zu sehen, was aus einer Idee wachsen kann, wenn Menschen mit Herzblut und Engagement zusammenarbeiten. Das Südcafe ist ein Ort der Vielfalt, Mitmenschlichkeit, Gemeinschaft und gelebter Integration geworden. Und wer hätte gedacht, dass der damalige Besuch in einer Erstaufnahmeeinrichtung der Beginn einer so bedeutenden Reise sein würde. Veränderung ist nur möglich, wenn wir uns berühren lassen. Wenn wir nicht einfach schreien „die da Oben müssen aber“, sondern gemeinsam anpacken und mitmachen. Füreinander und Miteinander.
In diesem Sinne sende ich dem Südcafé einen herzlichen Glückwunsch zum 10. Geburtstag und freue mich, ein kleiner Teil der Geschichte zu sein.
Jennifer Scherf ist Online-Pfarrerin der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM).