Das war der OA-Tag 2025
Am 30. August trafen sich Mitglieder der Ortsausschüsse unserer vier Kirchlichen Orte Bethlehem, Connewitz-Lößnig, Marienbrunn und Peterskirche zu einem Klausurtag.
Ziel des Tages waren es, persönliche Begegnungen jenseits der oft straff geplanten Sitzungen möglich zu machen. Das gegenseitige Kennenlernen erstreckte sich aber nicht nur auf die persönlichen Begegnungen, sondern auch auf die Kirchlichen Orten.
Dazu wurden die Mitglieder der einzelnen Orte gebeten, für ihren Ort einen Steckbrief zu erstellen. Diese Steckbriefe wurde anschließend in Kleingruppen vorgestellt. In den Kleingruppen fand ein reger Austausch statt über die Besonderheiten und Prägungen unserer Kirchlicher Orte statt. Dabei gab es viele Aha-Erlebnis, die in einer Wortwolke zusammengefasst wurden.
Eine Fish-Bowl-Diskussion über die Freuden und die Beschwernisse der Arbeit im Ortsausschuss schloss diesen Tag sehr gelungenen Tag ab. Er hat unsere Kirchlichen Orte einander etwas nähergebracht und in allen Beteiligten das Wissen bestärkt, dass wir gemeinsam Kirche für die Menschen in unseren Stadtteilen sind.
Hier können Sie die Andacht, die Pfarrerin Christiane Dohrn zu Beginn gehalten hat, nachlesen:
Die Weisheit spricht: Der Herr hat mich schon gehabt im Anfang seiner Wege, ehe er etwas schuf, von Anbeginn her. … ich war seine Lust täglich und spielte vor ihm allezeit; ich spielte auf seinem Erdkreis und hatte meine Lust an den Menschenkindern. (Sprüche 8, 22.30b.31)
Spielen ist ein Verb, das im kirchlichen Wortschatz eigentlich nicht vorkommt, höchstens im Zusammenhang mit Arbeit – Kinderarbeit oder wenn es um Musik geht. Aber spielen als spielen?
Wer sich in einem Gremium der Kirchgemeinde engagiert hat es in aller Regel und zum großen Teil mit der Institution zu tun.
Und aus wer als Gemeindeglied auf Kirche trifft, trifft oft zuerst die Institution.
Der Kirchgeldbescheid ist schneller zugestellt als ein Willkommensgruß der Gemeinde.
Beim Taufgespräch muss ein Formular ausgefüllt werden, damit alles seine Ordnung hat. Wer Patin werden möchte, braucht eine entsprechende Bescheinigung. Wer sich außerhalb der zuständigen Ortsgemeinde trauen lassen möchte, braucht ein Dimissoriale und das Wort „Dimissoriale“ braucht eine ausführliche Erklärung. Damit alles seine Ordnung hat.
Kirche als Institution erscheint wie ein mächtiger Tanker, träge beim Navigieren und schwer zu steuern.
Wir spüren das derzeit sehr. Wir sind gerade noch dabei in der KG Süd zusammenzuwachsen und das SKV mit Andreas und Probstheida zu gestalten, da wird es schon wieder aufgelöst und ein neues gegründet, damit Markkleeberg mit in unsere Region kommen kann.
Da müssen Verträge verhandelt und abgeschlossen werden, die Verwaltung neu organisiert, Arbeitsverträge neu ausgestellt werden und und und
Die institutionelle Seite überwuchert vieles andere. Das macht die Mitarbeitenden müde, die Außenwirkung katastrophal und die Motivation derer, die sich in Gremien engagieren sinkt fast ins bodenlose.
Aber: Kirche ist mehr als eine Institution.
Kirche ist Gemeinschaft der Heiligen, wie es im Glaubensbekenntnis heißt. Sie ist die Familie der Kinder Gottes. Sie ist Treffpunkt und Tankstelle.
Und sie ist Gottes Spielgefährtin.
Die Kirche als Gottes Spielgefährtin. Ist das denkbar? Darf so von Kirche geredet werden?
Im Buch der Sprüche ist zu lesen: „Die Weisheit spricht: Der Herr hat mich schon gehabt im Anfang seiner Wege, ehe er etwas schuf, von Anbeginn her. … ich war seine Lust täglich und spielte vor ihm allezeit; ich spielte auf seinem Erdkreis und hatte meine Lust an den Menschenkindern.“ (Sprüche 8, 22.30b.31)
Wer oder was die Weisheit ist, die diese Worte spricht, ist ein Rätsel und Theolog*innen haben sich darüber den Kopf zerbrochen. Ist es „Frau Weisheit“ als die weibliche Seite Gottes? Ist es eine Art weibliche Schöpfungsmittlerin und / oder Gottes erstes Geschöpf? Oder ist die Weisheit mit dem logos – dem Wort aus dem Johannesprolog (Das Wort ward Fleisch und wir sahen seine Herrlichkeit. Joh 1, 1ff) zusammenzudenken und weist bereits auf Christus?
Wer oder was sie auch ist: Die Weisheit, das legt der Text aus den Buch der Sprüche nahe, steht in enger Beziehung zu Gott. Sie ist Gottes Gegenüber, vielleicht sogar seine (Spiel-)Gefährtin, und zugleich diffus, von Gott durchdrungen und ihn durchdringend, geboren und doch schon immer da.
Wie wäre es, Kirche zu verstehen als eine Spielart dieser Weisheit?
In enger Beziehung zu Gott, sein Gegenüber und zugleich von Gott durchdrungen, geworden und doch schon immer da.
Wie wohltuend könnte eine Kirche sein, die „Gottes Lust“ ist? Eine Kirche, die vor Gott spielt – für und mit Gottes Menschenkindern! (Das Spielen eine ernste Sache ist, dürfte hinlänglich bekannt sein.)
Wieviel Freiraum und Leichtigkeit könnte eine Kirche ausstrahlen, die sich als Gottes Spielgefährtin versteht, und fröhlich ihrem Gott und seinen Menschenkindern dient!
Wie hilfreich könnte einen Kirche sein, die Menschenkindern bei ihrem „Spiel des Lebens“ beisteht; die ihre Türen aufmacht für die, die andernorts rausgekegelt werden?
Wie könnte ein „Spiel ohne Verlierer“ aussehen, dass in so einer Kirche gespielt wird?
Kirche als Institution ist für viele ein Segen.
Sie bietet weitgehend verlässliche Anstellungsverhältnisse und sichere Gehälter. Sie trägt für viel Gut und Güter Verantwortung und hat diese zu verwalten. Sie ist ein weltlich Ding und braucht weltliche Ordnungs- bzw. Organisationsmechanismen.
Und sie braucht Menschen wie euch, die dabei helfen, dass diese Institution funktioniert.
Aber mit jeder Veröffentlichung über neue Zahlen zur Kirchenmitgliedschaft scheint das Verfallsdatum der Institution näher zu rücken.
Mit jedem Anwachsen der Strukturen wächst die Sorge, dass es noch unübersichtlicher wird und noch schwerer zu steuern ist.
Kirche verstehen als Spielgefährtin Gottes, als eine Spielart der Weisheit Gottes, zeigt, dass Veränderung immer dazu gehört.
Kirche als Spielgefährtin Gottes nimmt dem Institutionellen vielleicht etwas an Schwere, aber was noch wichtiger ist: Sie trägt in sich den Atem der Ewigkeit. Amen
Gebet für den Tag
Gott, Ursprung aller Weisheit und Freude,
du hast die Weisheit geschaffen, noch ehe die Welt war,
und sie war deine Lust, dein Gegenüber, deine Spielgefährtin.
Du hast ihr Raum gegeben, zu spielen – auf deinem Erdkreis,
mit uns, deinen Menschenkindern, zu tanzen im Licht deiner Güte.
Wir bitten dich: Lass auch uns eintauchen in diese Leichtigkeit,
in das Spiel, das du mit uns spielst, das kein Verlierer kennt.
Schenke deiner Kirche einen Hauch dieser Weisheit,
dass sie loslassen kann, was beschwert,
und offen ist für das, was du neu schaffst.
Hilf uns, als Gemeinde nicht in Strukturen zu verharren,
sondern deine Gegenwart immer wieder im Offenen, Ungeplanten, im Spielen zu entdecken.
Hilf uns, deine Kirche zu einem Ort zu machen,
an dem Türen weit offen stehen,
an dem jeder und jede willkommen ist
und niemand mehr herausgekegelt wird.
Du, Gott, ewig und zu allem mächtig,
segne uns, dass wir deine Spielgefährten sind –
für dich, füreinander und für deine Welt.
Amen.