10 Jahre Südcafé - Wir haben gefeiert

Mit einem Gemeindekirchentag am Reformationsfest feierten wir in der Peterskirche das zehnjährige Bestehen des Südcafés. Schon im Gottesdienst, der vom Posaunenchor begleitet wurde, stand die Dankbarkeit im Vordergrund. „Großer Gott, wir loben dich“, wurde zu Beginn gesungen. Gäste und Ehrenamtliche aus dem Südcafé waren ebenso zahlreich erschienen wie die Gemeinden aus den Orten Peters und Bethlehem. Annegret Jopp, Mahmoud Abdulrazzak und Susen Seidel gaben Einblicke aus dem Südcafé-Alltag damals und heute:

„Als wir anfingen, hatten wir für alles Listen: Kontaktliste für Ehrenamtliche, Fotoerlaubnis, Kaffee kochen, Übersetzung… aber irgendwann merkten wir, dass unsere Ehrenamtlichen keine Listen brauchten und wir uns trotzdem auf ihre Hilfe verlassen konnten. Als wir sahen, dass es funktioniert, lernten wir Vertrauen – in die Menschen und in Gott. Und da wussten wir, dass die Idee des Südcafés funktionieren wird“, erinnerte sich Annegret Jopp, die das Café seit Beginn organisatorisch begleitet und bis 2023 als Koordinatorin angestellt war.

Mahmoud Abdulrazzak erzählte, wie er einst als unsicherer Besucher kam, Freunde fand und heute selbst im Beirat mitarbeitet. Susen Seidel betonte die Bedeutung der Ehrenamtlichen: „Ohne ihre Hilfe ginge nichts. Sie schenken jede Woche ihre Zeit, damit andere eine gute Zeit haben können.“

In ihrer Predigt sprach Pfarrerin Jennifer Scherf, ehemalige Vikarin der Bethlehemgemeinde, über die Anfänge des Südcafés und die Idee, nicht für, sondern mit Menschen etwas zu tun und gemeinsam mit ihnen zu gestalten. In ihrer Predigt betonte sie, dass Reformation bedeute, ehrlich miteinander zu ringen, auch dann, wenn Erwartungen nicht auf Anhieb zusammenpassen. So könne Neues entstehen und wachsen.

Nach der Predigt waren die Besucher*innen aufgefordert an vier Stationen ihren Dank, ihre Wünsche, ihre Klagen und ihre Hoffnungen für das Südcafé und für die Gesellschaft aufzuschreiben. Angeregt wurden sie durch kurze Statements von Gästen des Südcafés, die sehr persönlich und berührend ihre eigenen Gefühle schilderten.

Peter Bauer von der HMT Leipzig trug im Anschluss am Vibraphon mit seiner Schwester Elke Bauer eine Interpretation von „Verleih uns Frieden“ vor.

Nach den Fürbitten, die Pfr.in Christiane Dohrn vortrug, wurde die Kollekte für das Südcafé eingesammelt. Eine stolze Summe von 967 Euro wurde dabei erzielt. Finanziell bleibt das Projekt herausfordernd: Rund 60.000 Euro kostet der Betrieb jährlich. Weil Zuschüsse von der Stadt gekürzt und von der Landeskirche in ihren Modalitäten verändert worden sind, ist das Südcafé mehr denn je auf Spenden angewiesen, wie Pfr. Gerhard Bergner in den Abkündigungen erläuterte. Hier wurde auch die Festschrift „10 Jahre Südcafé – 10 Geschichten“ vorgestellt.

Der Gottesdienst endete wie gewohnt mit Segen und Nachspiel, aber das Jubiläumsfest ging weiter mit einem bunten Programm: Nach dem gemeinsamen Mittagessen konnte man auf dem Gaudigplatz Floorball spielen und kleine Preise gewinnen. In der Chorkapelle wurde unter Anleitung von Peter Bauer eine Südcafé-Jubiläumshymne getrommelt. Maria Lochmann von der Deutschen Nationalbibliothek bastelte mit Kindern und Erwachsenen hübsche Schachteln aus Papier in der Christenlehrekapelle. Eine (interreligiöse) Gruppe um Christiane Mempel tauschte sich über ihre unterschiedlichen Gottesbilder aus, eine weitere Gruppe diskutierte mit Pfr. Markus Franz über die Möglichkeiten und Herausforderungen des Kirchenasyls.

Den ganzen Tag über bildeten sich zahlreiche Gesprächsgruppen, die interkulturelle Neugierde im Südcafé übertrug sich auf die Jubiläumsfeier. Beim Kaffee Trinken wurde eine große Südcafé-Jubiläumstorte angeschnitten, die Steffi Krüger gebacken hatte. Und erfreut stellten wir fest, dass beim traditionellen Schlusssegen im Altarraum deutlich mehr Menschen als sonst im Kreis standen. Der Schlusskreis war auch eine gute Gelegenheit, um all denen zu danken, die zum Gelingen des Tages beigetragen hatten: Dem Vorbereitungskreis, der für die Planung verantwortlich war, den Mitwirkenden im Gottesdienst und bei den Workshops sowie den Helfer*innen, die während des Fests zwischen Küche und Kirchsaal für einen reibungslosen Ablauf sorgten. Stellvertretend für alle nahm Susen Seidel, die auch für diesen Tag die Koordination übernommen hatte, ein kleines Geschenk aus der Gemeinde für das Südcafé-Team entgegen. So endete ein Gemeindekirchentag, der Allen, die dabei waren, noch lange im Gedächtnis bleiben wird und der zugleich an vielen Stellen deutlich machte, dass die Geschichte des Südcafés noch lange nicht auserzählt ist, sondern dass mit Gottes Hilfe noch viele Jahre Integration und Austausch im Südcafé gelingen sollen.

Pfr. Gerhard Bergner