Impuls

August 2022: Richten: Hinrichten? Vorrichten? Ausrichten!

Jubeln sollen die Bäume des Waldes vor dem Herrn, denn er kommt, die Erde zu richten. 1. Chronik 16,33

Wie sieht es aus, wenn Bäume jubeln? Die sprachlichen Bilder der Bibel regen meine Phantasie an und ich sehe es vor mir, was da passieren könnte.

Und ich sehe auch vor mir, wie die Bäume im Moment aussehen, geplagt von den viel zu trockenen Jahren, gegeißelt von der Hitze, ohne Kraft gegen den Borken­käfer ...

Eine erste An­näherung: Die Bäume werden jubeln, wenn GOtt kommt, denn dann wird der Schöpfung Gerechtigkeit zuteil werden, wird klar die Schuld benannt, wird deutlich, dass Menschen seit Generationen in rücksichts­losem Egoismus und seit Jahr­zehnten sehenden Auges die Bedürf­nisse der Mitwelt zur Seite schieben. Ich sehe Bäume, die dann ihre Wurzeln in die Pools strecken und aus den Reser­voiren trinken, die für industrielle Nutzung bereit­stehen. Richten = Recht sprechen, auch: ver­urteilen, schließlich: hin­richten.

Aber Schöpfung zielt auf Leben, auf Er­möglichung - also ist mit "richten" eher im Blick, mal vor­zurichten? Die Welt sozu­sagen neu zu streichen, ein paar Wände ein­zu­reißen, neue Perspektiven zu eröffnen und den Be­dürfnissen aller an­zu­passen, die hier leben? Dann kämen neben jubelnden Bäumen auch andere mit in das Bild, sehe ich ein großes Fest der Schöpfung, das GOtt aus­richtet.

Das ist mein Blick auf GOttes Richten: Wenn ich mich der Geist­kraft öffne, wird mein Leben aus­ge­richtet auf das Leben, werden Mauern ab­ge­brochen, die mir den Blick auf die Fülle der Schöpfung ver­sperren. Ja, ich muss erkennen, dass ich selbst mit an den Mauern gebaut habe, den Bäumen Wasser ab­ge­graben habe, andere in ihren Be­dürfnissen nicht wahr­genommen habe. Aber noch viel mehr: Ich sehe, wie sehr ich mich selbst be­schnitten habe. Und mit Hilfe der Geist­kraft GOttes bekomme auch ich neu Zugang zu den Quellen des Lebens, kann ein­stimmen in den Jubel.

Schöne Worte. Salbungsvoll. Nette Bilder. Hübsch. Und was meinst Du konkret?
Mir ist in den letzten Monaten neu deutlich geworden, wie viele Menschen in unserer Gemeinde einfach nicht gesehen werden. Wie viele ich zum Beispiel mit meinem eher binären Denken ignoriere, wie oft ich meine Kategorien un­hinter­fragt verwende - oder gar als biblisch gesetzt bezeichne. Ein Projekt, das sich dieses Themas an­nimmt, möchte ich Dir daher hier ver­linken, weil es für mich ver­bunden ist mit der Er­fahrung, dass GOtt mich neu ausrichtet: M*Einladung

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Jubeln sollen die Bäume des Waldes vor GOtt, denn die Lebendige kommt, die Erde zu richten. 1. Chronik 16,33

Pf. Christoph Reichl

 

Juli 2022: Denk gern mit über das Leben nach

Anfang Juni fuhr ich mit dem Fahrrad in das Elisabethkrankenhaus. Die Gitarre am Fahrrad und auf dem Rücken einen Rucksack mit Psalmbuch, Gesangbüchern usw. Mit im Gepäck hatte ich das Lied „Herr, deine Liebe ist wie Gras und Ufer, wie Wind und Weite und wie ein Zuhaus.“ Früher, in der Jungen Gemeinde, da haben wir das Lied gern gesungen, weil es zum Einen die Sehnsüchte des Lebens besingt: Weite für das Leben, Freiheit, um sich selbst zu finden. Zum Anderen formuliert es klipp und klar, was am Leben vermisst wird: Es sind Mauern zwischen Menschen. Durch Gitter sehen die Menschen einander an. Das Ich ist ein Gefängnis. Es gibt Steine der Angst. Am Ende des Liedes wird eine Hoffnung besungen. Ich stelle mir diese Hoffnung vor wie ein flatterndes Band am Himmel - ausgespannt wie der Regenbogen von einem Horizont bis zum gegenüberliegenden Horizont.
Ich wollte gern dort im Elisabethkrankenhaus über das Leben nachdenken. Ich wollte gern sagen, dass das Leben eben ist wie es ist. Es ist so, weil alle Menschen ihr Leben eben so wahrnehmen, wie sie es halt tun. Dazustellen wollte ich einen Vers aus dem Brief, den der Apostel Paulus im Jahr 50/51 u.Z. von der Hafenstadt Korinth aus an die Gemeinde in Thessaloniki schrieb. Dort heißt es im 1Thess 5,9-10: Wir aber, die wir Kinder des Tages sind, wollen nüchtern sein, angetan mit dem Panzer des Glaubens und der Liebe und mit dem Helm der Hoffnung auf das Heil. Denn Gott hat uns nicht bestimmt zum Zorn, sondern dazu, die Seligkeit zu besitzen durch unseren Herrn Jesus Christus, der für uns gestorben ist, damit, ob wir wachen oder schlafen, wie zugleich mit ihm leben.
Und dann sagte ich den Menschen, die zur Andacht gekommen waren: „Du hast deine Perspektive auf das Leben.“ Das sagte ich zu allen einzeln. Dann sagte ich „Ich habe nur meine Perspektive auf das Leben.“ Danach fügte ich hinzu: „Paulus sagt nun hier, dass auch Gott eine Perspektive auf das Leben hat - und womöglich ist seine Perspektive eine ganz andere. Womöglich sieht er etwas am Leben, das wir nicht sehen - zum Beispiel, dass das Leben nicht unser Besitz, sondern Gottes Geschenk ist.“
Nach der Andacht sagte mir eine Patientin, die von der Palliativstation kam, dass sie einen starken Trost gehört hat. Es hilft ihr, sich auf die göttliche Perspektive vom Leben zu verlassen. Eine andere sehr junge Frau sagte: Danke, ich habe mit dem Glauben nicht viel zu tun - aber das Nachdenken über das Leben - das ist für mich grad ein großes Thema.
Und was hättest du gesagt? Was ist das Leben aus deiner Perspektive? Und welche Hoffnung ist bei dir wie ein flatterndes Band am Himmel gespannt?
Ich freue mich auf die Sommerzeit, um wieder Zeit für solche wichtigen Fragen zu haben. Ich wünsche Dir Zeit und Gelegenheit, über das Leben nachzudenken und mit anderen ins Gespräch zu kommen.
Herzliche Grüße von Jörg Sirrenberg, Pfr.

Rosinenkuchen für Davids Krieger

David war nicht nur ein großer König Israels, sondern auch ein Mann des Krieges. Das Erste Buch Samuel erzählt davon, wie David einmal voller Zorn mit seinem gefürchteten Heer gegen Nabal, den Fürsten von Maon, zog.

Der Grund für diesen Feldzug war fadenscheinig, aber ausreichend, um David in Wut zu bringen: David fühlte sich beleidigt und wer David beleidigte, bekam sein Schwert zu spüren. Nabal der Fürst von Maon, ebenso stolz wie David und dazu noch ignorant, ließ ebenfalls die Schwerter wetzen. Das Rasseln der Waffen war weithin zu hören.

Doch die Männer hatten nicht mit der Klugheit Abigajils gerechnet, der Frau des Fürsten von Maon.

18Da nahm Abigajil schnell 200 Brote, zwei Krüge Wein, fünf fertig zubereitete Schafe, fünf Säckchen mit geröstetem Korn, dazu 100 Rosinenkuchen und 200 Feigenkuchen. Das alles packte sie auf die Esel.19Dann sagte sie zu ihren Knechten: »Geht schon mal voraus, ich komme gleich nach!« Ihrem Mann Nabal aber sagte sie nichts davon.

20Abigajil hatte sich auf ihren Esel gesetzt. Sie ritt auf der einen Seite des Berges hinunter. David und seine Männer kamen von der anderen Seite. Und so traf sie plötzlich mit ihnen zusammen. 23Als Abigajil sah, dass David ihr entgegenkam, stieg sie schnell von ihrem Esel herab. Sie verneigte sich vor David bis zur Erde und warf sich mit dem Gesicht auf den Boden.24Wie sie David so zu Füßen lag, sagte sie: »Mein Herr, es ist alles meine Schuld! Erlaub doch deiner Magd, offen mit dir zu reden! Bitte, hör dir an, was deine Magd zu sagen hat! .27Bitte, nimm jetzt dieses Geschenk an, das deine Magd ihrem Herrn mitgebracht hat. Du sollst es unter den Männern verteilen, die meinem Herrn auf Schritt und Tritt folgen.

Abigajil breitete ihre Gaben aus. Es duftete nach Geröstetem und Gebratenem und Gebackenen. David und seine Männer ließen es sich schmecken.
Wie aber sollten sie jetzt noch das Schwert schwingen, während die Frau ihres Feindes ihnen Rosinenkuchen reicht?
32Da sagte David zu Abigajil: »Gelobt sei der Herr, der Gott Israels! Er hat dafür gesorgt, dass du mir heute begegnet bist.33Gelobt sei deine Klugheit! Du sollst gesegnet sein, weil du mich heute vor Schuld bewahrt hast. 35Dann nahm David die Gaben an, die Abigajil ihm mitgebracht hatte, und sagte zu ihr: »Nun geh in Frieden nach Hause! Ich habe auf dich gehört und deine Bitte erfüllt.«

Leider ging die Geschichte nicht so friedlich weiter, wie es geröstetes Korn und Rosinenkuchen hoffen lassen. Kurze darauf starb Nabal und David zog weiter in den Krieg.

Aber für einen Moment schwiegen die Waffen und statt Säbelrasseln war das Scheppern der Schüsseln und Teller zu hören.

Für einen Moment war kein Schreien und Klagen zu vernehmen, sondern schmatzen und lachen.

Für einen Moment schmeckte der Frieden nach Rosinenkuchen. (Christiane Dohrn)

Wer die ganze Geschichte nachlesen will, findet sie im 1. Sam 25, 1 – 35 oder hier: https://www.die-bibel.de/bibeln/online-bibeln/lesen/BB/1SA.25/1.-Samuel-25

Wie lieblich ist der Maien

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Es ist Mai und das frische Grün leuchtet ganz unverschämt und strahlt mit dem Blau des Himmels um die Wette. Menschen atmen auf, als würde das Leben wieder neu beginnen.

Als gäbe es kein Leid, keinen Krieg, keine Krankheit leuchtet der erste Flieder und lässt die Kastanie vor meinem Fenster ihre Kerzen wachsen.

Das Lied aus unserem Gesangbuch »Wie lieblich ist der Maien« (EG 501) schwirrt mir durch den Kopf, sobald der Mai begonnen hat. Die beschwingte freudig fließende Dur-Melodie von Johann Steurlein gehörte ursprünglich zu einem Liebeslied. Der Text von Martin Behm lobt Gottes Schöpfungswirken, bittet um eine gute Ernte und die Abwendung von Wettergefahren und ist damit aktueller denn je.

 

  1. Wie lieblich ist der Maien aus lauter Gottesgüt,
    des sich die Menschen freuen, weil alles grünt und blüht.
    Die Tier sieht man jetzt springen mit Lust auf grüner Weid,
    die Vöglein hört man singen, die loben Gott mit Freud.
  2. Herr, dir sei Lob und Ehre für solche Gaben dein!
    Die Blüt zur Frucht vermehre, lass sie ersprießlich sein.
    Es steht in deinen Händen, dein Macht und Güt ist groß;
    drum wollst du von uns wenden Mehltau, Frost, Reif und Schloß’.
  3. Herr, lass die Sonne blicken ins finstre Herze mein,
    damit sich’s möge schicken, fröhlich im Geist zu sein,
    die größte Lust zu haben allein an deinem Wort,
    das mich im Kreuz kann laben und weist des Himmels Pfort.
  4. Mein Arbeit hilf vollbringen zu Lob dem Namen dein
    und lass mir wohl gelingen, im Geist fruchtbar zu sein;
    die Blümlein lass aufgehen von Tugend mancherlei,
    damit ich mög bestehen und nicht verwerflich sei.

Text: Martin Behm (1604) 1606
Melodie: Johann Steurlein 1575; geistlich Nürnberg 1581

Hörprobe »Wie lieblich ist der Maien«

»Gib Frieden, Herr!« Ein Lied wie eine Prophetie

1. Gib Frieden, Herr, gib Frieden,
die Welt nimmt schlimmen Lauf.
Recht wird durch Macht entschieden,
wer lügt, liegt obenauf.
Das Unrecht geht im Schwange,
wer stark ist, der gewinnt.
Wir rufen: Herr, wie lange?
Hilf uns, die friedlos sind.

2. Gib Frieden, Herr, wir bitten!
Die Erde wartet sehr.
Es wird so viel gelitten,
die Furcht wächst mehr und mehr.
Die Horizonte grollen,
der Glaube spinnt sich ein.
Hilf, wenn wir weichen wollen,
und lass uns nicht allein.

3. Gib Frieden, Herr, wir bitten!
Du selbst bist, was uns fehlt.
Du hast für uns gelitten,
hast unsern Streit erwählt,
damit wir leben könnten,
in Ängsten und doch frei,
und jedem Freude gönnten,
wie Feind er uns auch sei.

4. Gib Frieden, Herr, gib Frieden:
Denn trotzig und verzagt
hat sich das Herz geschieden
von dem, was Liebe sagt!
Gib Mut zum Händereichen,
zur Rede, die nicht lügt,
und mach aus uns ein Zeichen
dafür, dass Friede siegt.

Text: Jürgen Henkys (1980) 1983
nach dem niederländischen »Geef vrede, Heer, geef vrede«
von Jan Nooter 1963 Melodie: Befiehl du deine Wege (Nr. 361)

Liebe Leserin, lieber Leser,

immer wieder staune ich, wie Worte aus der Vergangenheit in eine völlig neue Gegenwart hineinsprechen.

Aktuell geht es mir so seit dem 24. Februar, und zwar jedes Mal, wenn ich das Lied »Gib Frieden, Herr, gib Frieden« lese oder singe. Es steht im Evangelischen Gesangbuch unter der Nummer 430 und stammt aus dem Jahr 1983. Ich weiß schon, was Sie jetzt denken: Dafür, dass es im Gesangbuch steht, ist es doch eigentlich noch ziemlich jung. Aber dass vor 40 Jahren jemand so klare Worte gefunden hat, die den Ausbruch des Krieges in der Ukraine so klar und präzise beschreiben, finde ich bemerkenswert.

Gleich in der ersten Strophe springt einen die Zeile an: »Recht wird durch Macht entschieden, wer lügt, liegt obenauf.« Weil ein Land die Macht hatte, nahm es sich das Recht, ein anderes Land zu überfallen. Obwohl die politische Führung noch kurz zuvor ganz bewusst die Lüge verbreiten ließ, man sei an einem Krieg nicht interessiert.

Seitdem bitten wir um Frieden. In unseren Gottesdiensten, sonntags und montags und freitags, und zu jeder sich bietenden Gelegenheit. Wir machen es so wie im Lied, dass wir den nüchternen Blick auf die Realität immer wieder einbetten in das Gebet: Gib Frieden, Herr!

Wie wichtig ist dieses Zusammenspiel! Dass wir die Augen öffnen für das, was geschieht. Nicht zulassen, dass »der Glaube sich einspinnt«, wie es im Lied heißt. Und gleichzeitig immer wieder neben dem Blick auf die Realitäten auch den anderen Blick einüben auf den Gott, der immer für den Frieden ist und uns den Frieden verheißt.

Dieser andere Blick zeigt uns einen Gott, der selbst verwundbar ist, der selbst gelitten hat, daran erinnert uns die dritte Strophe des Liedes, und daran werden wir gerade jetzt in der Passionszeit, in der wir das Leiden Jesu in den Blick nehmen, immer wieder erinnert: Als Jesus »unsern Streit erwählt« hat, hat er den Kreislauf der Gewalt durchbrochen. Er hat darauf verzichtet Rache zu üben und stattdessen etwas völlig Neues entstehen lassen, als er von den Toten auferstanden ist.

Ich bin überzeugt: Im doppelten Blick auf das Leid der Welt und den leidenden Gottessohn Jesus Christus entsteht die Kraft, die dazu führt, dass wir »in Ängsten und doch frei« die Not der Menschen, die jetzt Zuflucht bei uns suchen, sehen und mit dem, was wir haben, einen Beitrag leisten, um zu helfen.

Wie groß dieser gemeinsame Beitrag ist, ist übrigens auch etwas, worüber ich in diesen Tagen immer wieder staune.

März 2022

Wann fängt der Friede an?

In den letzten Tagen aber wird der Berg, darauf des HERRN Haus ist, fest stehen, höher als alle Berge und über die Hügel erhaben. Und die Völker werden herzulaufen, und viele Heiden werden hingehen. (Micha 4, 1)

Wie fängt der Friede an?

Kommt, lasst uns hinauf zum Berge des HERRN gehen und zum Hause des Gottes Jakobs, dass er uns lehre seine Wege und wir in seinen Pfaden wandeln! (Micha 4, 2)

Wie fängt der Friede an?

Von Zion wird Weisung ausgehen und des HERRN Wort von Jerusalem.  Er wird unter großen Völkern richten und viele Heiden zurecht-weisen in fernen Landen. (Micha 4, 3)

Wann fängt der Friede an?

Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln machen. Es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben. (Micha 4, 3)

Wie fängt der Friede an?

Sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen. Ein jeder wird unter seinem Weinstock und Feigenbaum wohnen, und niemand wird sie schrecken. Denn der Mund des Herrn Zebaoth hat's geredet. (Micha 4, 4)

Manchmal möchte ich drein schlagen,
so groß ist meine Wut.
Alles kaputt hauen, so groß ist meine Ohnmacht.
Dann bin ich froh, keinen Stein in der Hand zu haben.
Er würde fliegen.

Stein in der Hand
Steine auf der Seele
fressen sich ein,
drücken mich runter,
wiegen schwer.
Wann fängt der Frieden an?
Wenn ich um den Stein weiß,
der in meiner Hand liegt.
Was drückt mich nieder?
Was wiegt schwer?
Was frisst mich auf?
Was es auch ist
ich kann es ablegen
am Kreuz.

Impuls für den Februar 2022

Ein Menetekel der Leichtfertigkeit
In der letzten Januarwoche wurden in unserer Kirchgemeinde Bibeltexte aus dem Buch Daniel bedacht. Es ist ein besonderes Buch - und einzigartig im Alten Testament. In ihm wird beschrieben, wie Menschen der damaligen Zeit Schwieriges überstanden und wie Ihnen das gelang. Immer wieder tauchten da bei uns selbst wesentliche Fragen auf. So fragten wir uns, wie wir jeweils den christlichen Glauben leben würden, wenn es um uns herum nichts mehr gäbe, das christlich ist - kein Glockengeläut, keine Kirchtürme, keine Feste, keine Plakate, die für den Glauben werben und so weiter. Die einen sagten, sie würden dann mitten in wesentlichen Lebenserfahrungen die Hände falten und beten. Andere sagten, sie würden alles aufschreiben, was sie aus Bibel und Gesangbuch in Erinnerung haben. Wieder andere meinten, sie würden über die Nächstenliebe mit anderen ins Gespräch kommen wollen, sodass Taten mehr sprechen als Worte. Wie geht es dir damit, die du diese Zeilen hier nun liest? Wie würdest du diese Frage beantworten? Dieses Nachdenken über ein bewusstes und selbst geführtes, eigenverantwortliches Leben führte an den Abenden zumindest bei mir unausweichlich zu einer weiteren Frage: Als wir uns über das Menetekel austauschten - also über die Hand, die während einer rauschenden Sause des babylonischen Königs Belshazzar plötzlich „mene tekel u parsin“ (gezählt, gewogen und für zu leicht befunden) an die Wand schrieb - wurde mir plötzlich klar, wie wertvoll und schwer und unermesslich reich im Grunde das Leben ist, wie Gott es allem Leben geschenkt hat. Wie viel reicher wäre doch unsere Welt, wenn das Leben bewahrt und geschätzt wird - statt es leichtfertig in der großen Fabrik des Wohlstands zu verheizen.
Herzliche Grüße von Jörg Sirrenberg, Pfr.

Die Jahreslosung 2022

Für die Jahreslosung 2022 möchte ich dies Mal gerne eine externe Seite empfehlen: Unter https://www.haltezeichen.de gibt es einen Impuls, der in barrierefreien Formen angeboten wird. Viel Freude damit!

Pfarrerin Christiane Dohrn

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