Impuls

Paralympics Läufer

»We are the champions, my friends …

… and we will keep on fighting 'til the end!« – Das nenne ich mal eine gute Nachricht! Ich bin ein Champion und nichts kann das verhindern. Selbst Widerstände können dem nichts anhaben. Im Gegenteil, weil ich ein Champion bin, habe ich die Kraft bis zum Ende durchzuhalten und mich als Champion zu beweisen …

Ich bin eigentlich kein Fan der Band Queen, aber bei dem Lied »We are the Champions« muss ich zugeben: Das Lied ist ansteckend …

Ich kann mir gut vorstellen wie sich tausende Menschen in einem Stadion in den Armen liegen und aus einer Kehle schreien, singen oder grölen: »We are the Champions«.

Obwohl es in seiner Anfangszeit kaum kommerziellen Erfolg einspielte, ist dieses Lied heute überall bekannt. Die Band Queen selber glaubt, dass das Lied deshalb so beliebt ist, weil es einprägsam ist und Menschen verbindet.

Deshalb wurde im Jahr 2020 als die Corona Pandemie ausbrach das Lied von der Band sogar umgeschrieben in »You are the Champions« und in britischen Radiosendern gespielt. Es sollte den Briten Kraft geben. Das Lied sollte sie motivieren in einer Zeit ohne Kontakte, ohne Bars, Kinos, Theater und Schule durchzuhalten und auf einander Rücksicht zu nehmen.

Motivation braucht auch die Gemeinde an die sich der Spruch für den Monat Oktober aus dem Hebräerbrief wendet. Dort heißt es: »Lasst uns aufeinander achthaben und einander anspornen zur Liebe und zu guten Werken.« (Hebr 10,24).

Der Verfasser macht die Erfahrung, dass immer mehr Christ*innen den Bezug zu ihrer Gemeinde verlieren. Die Hörer*innen werden aufgefordert auch gegen Widerstände, am Ball zu bleiben, zueinander zu halten. Der Brief möchte motivieren, genauso wie das Lied von Queen.

Für den Hebräerbrief ist ganz klar: wir Christ*innen sind Champions in den Augen Gottes; und ein Champion gibt nicht auf. Champions machen weiter bis zum Ende. Auch gegen Widerstände setzen sich Champions durch. Allerdings ist das kein leichter Weg. Immer Leistung bringen zu müssen macht das Leben mitunter anstrengend. Dazu gehören Training, Schweiß und Tränen.

Das klingt herausfordernd aber der Hebräerbrief sagt mir: Ich bin nicht allein. Ich bin Teil einer Gemeinschaft und wenn ich nicht mehr kann, sind da noch andere, die mir Mut machen und mich anspornen.

Der Monatsspruch ist zwar nicht so einprägsam wie das Lied »We are the Champions« aber auch er will mich motivieren: Ich bin teil eines Teams voller Champions. Auch als Champion kann ich mich an einer Aufgabe übernehmen und ins Wanken geraten, aber da sind noch genügend andere Champions, die mich motivieren sollen. Sie rufen mir zu, klatschen in die Hände und fiebern mit mir auf meinem Weg. Wenn ich mal das Ziel aufgeben will, spornen sie mich wieder aufzustehen und weiter zu machen.

Als Christ*innen sind wir aufeinander angewiesen. Der Spruch für den Monat Oktober führt mir vor Augen wie wichtig eine christliche Gemeinschaft ist. Als Champion alleine zu sein ist schwer. Der Druck eines Einzelkämpfer ist unglaublich hoch. Aber als Team können wir uns gegenseitig anfeuern, auch durch harte Zeiten.

Vikar Marcus Koetzing

Ist Gott ausgezogen?

Durch die Glasfenster drang das Sonnenlicht. Mal heller, mal dunkler erschien der Kirchenraum der Peterskirche, je nachdem, ob eine Wolke am Himmel vorüberzog. Ich hatte mich auf die Küchenbank gesetzt, die Tür zum Innenraum der Kirche stand offen und während ich an meinem Laptop so vor mich hin arbeitete, beobachtete ich, was in der Kirche so vor sich ging. Einzelne betraten das Gotteshaus. Setzten sich oder liefen scheinbar planlos von der einen Ecke zur anderen, versuchten unsichtbar zu bleiben. Die meiste Zeit erfüllte Stille den Raum.

Stille. Leere.

Es kam mir so vor, als wäre Gott ausgezogen. Mit all den Urlauber*innen an den Strand und in die Berge. Endlich mal wieder raus in die Welt, andere Luft atmen, der Seele neue Nahrung geben. Das hat sich wohl auch Gott verdient, dachte ich.
Aber vielleicht hat er oder sie auch einfach viel zu tun, ist quasi geschäftlich unter­wegs. In Afghanistan. In der Türkei. In Israel, im Jemen, im Südsudan, im Kongo, in Venezuela… im Ahrtal und anderen Orten in NRW und Rheinland-Pfalz. Gott ist wohl  dort, wo gelitten wird an Leib und Leben. Und möglicherweise musste er ja auch gar nicht so weit weg gehen von der Peterskirche, wurde auf die Straßen Leipzigs ge­rufen, wo Menschen nach Geld und Aufmerksamkeit betteln, Menschen mit den Auswirkungen der Krise ringen.

Es wird ja viel gejammert über die leeren Kirchen in unserer Zeit. Aber als ich so darüber nachgrübelte, da fand ich es völlig okay und sogar selbstverständlich, dass es in der Kirche gerade oft so still ist. Denn es gibt ja genug zu tun da draußen vor den Türen – für Gott. Und für uns.Während ich da saß, wunderte ich mich auch, dass da keine Angst ist in mir, wenn ich in dem großen Kirchgebäude manchmal alleine bin. Dass ich mich überhaupt nicht einsam fühle – trotz der Stille und der Leere.
Woher kommt das? Ist es das Gebälk, das all die Jahre Glaubensleben in sich trägt und mir Lebendigkeit zuflüstert? Ich schloss die Augen und sah Kinder vor mir, die sich im Gottesdienst vor Langeweile auf Kirchenstühlen winden. Kinder, die stolz Selbstgebasteltes aus dem Kindergottesdienst der Familie vorzeigen. Junge wie ältere Menschen, die hier gesungen, gebetet, gefeiert, geweint und gelacht haben. Freundschaften, die entstanden sind. Verliebte Hochzeitspaare ebenso wie Trauernde. Menschen, die hier gestritten und um Entscheidungen gerungen haben – all das spricht wohl aus den beanspruchten Mauern zu mir und gibt ein Gefühl der Zugehörigkeit und Gemeinschaft - auch im Alleinsein.

Ich verließ meinen Sitzplatz und lief hinüber in die Kirche. Ich war überrascht, wie viele Teelichter am Kerzenbaum schon brannten. Die Einzelnen, die hierherkommen, sind eben doch Viele, dachte ich. Und auch ich zündete eine Kerze an.  Für alle da draußen, die Gott gerade so sehr brauchen. Und für alle, die hierherkommen, ob zufällig oder aus tiefer Sehnsucht. Ich sah zum Altar, den bunten Fenstern auf – der Gottessohn, der Auferstandene strahlte mich an. Öffnete einladend die Arme.

 

Und dann spürte ich Gottes Nähe.

Gott ist hier. Und dort.

Überall, wo wir bereit sind nach ihr zu suchen.

Amen

Vikarin Charlotte Kalmakhelidze

»Ihr sät viel und bringt wenig ein; ihr esst und werdet doch nicht satt; ihr trinkt und bleibt doch durstig; ihr kleidet euch, und keinem wird warm; und wer Geld verdient, der legt’s in einen löchrigen Beutel.«
Haggai 1,6

Foto: Erwin Lorenzen / pixelio.de

Liebe Gemeinde,

August und September sind Monate, in denen oft schon mit einem Auge zurück­geschielt wird: Was war bisher, was sollte es noch geben in diesem Jahr? Die letzte Gelegen­heit soll nicht versäumt werden, bevor es wieder kalt wird. Viel gab es in diesem Jahr. Viele haben die letzten Monate als ermüden­des Hamster­rad empfunden: Beschrän­kungen, Verord­nungen, Risiko­analysen, Varianten, Plan B und C und D. Was noch? Was als nächstes? Bevor es vielleicht wieder losgeht mit kletternden Inzidenz­zahlen, mit dem Gefühl von Vergeb­lichkeit, mit all dem, was laut schreit: »Nimm mich! Mache mich zu deiner Priorität!« – hier eine Pause und kurze Orien­tierung.

Biblisch ist es so: Als erstes kommt das Lassen. Dann erst das Tun. Der siebte Tag, der Sabbat, an dem Gott ruht von seinen Werken, wird durch die Aufer­stehung Jesu am folgen­den Tag, unserem Sonntag, vom Ende zum Anfang der Woche. Wir beginnen die Woche mit dem Lassen, dem Aus­spannen, der Pause. Lassen ist eine Bot­schaft der Befreiung: Gott setzt damit kein Verbot, sondern schafft einen Freiraum. »Du sollst«, heißt biblisch: »Du darfst.« Gott freut sich, wenn wir uns diese Pause gönnen, wenn wir den Spaten aus der Hand legen, das Display aus­schalten, das eine Zimmer unauf­geräumt lassen, die vielen Mails, SMS, Chats und Posts unbe­ant­wortet bleiben. Gott gönnt es uns. Weil er unser Bestes will. Sonntage, Pausen und freie Zeiten sind kein Zusatz, keine Möglich­keit, wenn vielleicht noch etwas Zeit für sie übrig­bleiben sollte. Gott hat uns den Sabbat geschenkt, für das zweck­freie Loben, für die Freude am Guten der Schöpfung, für die Gelassen­heit ange­sichts von Unvoll­kommen­heit. Der Sonntag ist das Übungs­feld, um auch von Montag bis Samstag sabbat­lich, wie freie Kinder Gottes, leben zu können.

»Ihr sät viel und bringt wenig ein; ihr esst und werdet doch nicht satt; ihr trinkt und bleibt doch durstig; ihr kleidet euch und keinem wird warm; und wer Geld verdient, der legt’s in einen löchrigen Beutel.« (Haggai 1,6)

Liebe Gemeinde, lasst uns auf­einan­der achten, dass wir Gott an erster Stelle in unserem Lassen und Tun haben, dass wir uns nicht müde machen mit unseren Plänen – im persön­lichen und in den Dingen, die die Gemeinde betreffen.

Es grüßt Sie herzlich
Ihre Vikarin Charlotte Bornemann