Die Paul-Gerhardt-Kirche

Die Paul-Gerhardt-Kirche befindet sich im Leipziger Stadtteil Connewitz in der Selnecker­straße, nahe des Connewitzer Kreuzes. Ihre Architektur orientiert sich – nach dem Entwurf des Architekten Julius Zeißig – an den Formen der deutschen Renaissance.

Paul-Gerhardt-Kirche im Frühjahr 2019, nach Abschluss der großen Außensanierung
Frühjahr 2019, nach Abschluss der großen Außensanierung

 

Paul-Gerhardt-Kirche: Äußeres und Ausstattung
Das Gebäude
Mondkugel, kurz nach Vollmond

Die Kirche erstreckt sich auf einem künstlich erhöhten Gelände in Ost-West-Richtung, wobei der Altar – entgegen der üblichen Orientierung – gen Westen gerichtet ist.

Das Äußere der Saalkirche wird von dem reizvollen Kontrast bestimmt, den die in rötlichem Rochlitzer Porphyr ausgeführten architekto­nischen Glieder zu den verputzten und hell gestrichenen Wand­flächen bilden.

An der östlichen Schmalseite steht der 60 Meter hohe Turm mit dem in einem schmalen Vorbau befindlichen Hauptportal. Dem Glockengeschoss sind in alle vier Richtungen Balkone vorgebaut, darüber die großen Ziffernblätter der Turmuhr, die außerdem eine zur Hälfte goldene Mondkugel dreht, an der man auf der Eingangsseite die Mondphase ablesen kann.

Mosaiken über dem Eingangsportal

Zwei Mosaiken der Berliner Firma Puhl & Wagner bilden den künstle­rischen Schmuck des Eingangs­bereichs. Im Portal­tympanon ist der einladende Christus zu sehen, im Giebelfeld der Ecce homo (»Seht, was für ein Mensch!«), nach einem im 19. Jahr­hundert sehr beliebten Gemälde des Italieners Guido Reni aus der Dresdener Galerie. Ursprünglich befanden sich über den Eingängen der den Turm flankie­renden Treppen­häuser vier weitere Mosaiken mit den Darstel­lungen der Evangelisten. Sie blieben jedoch leider nicht erhalten.

Die Glocken
Große Glocke im 2015 erneuerten Glockenstuhl

Nach kriegsbedingter Glocken­abnahme im Dezember 1941 erhielt die Kirche das jetzige Bronzegeläut im Juli 1956. Die Glocken wurden in der Glocken­gießerei Schilling, Apolda, gefertigt; sie klingen in der Tonlage f’ – as’ – b – ’des’’. Die Glocken wiegen 960 kg, 533 kg, 362 kg sowie 179 kg, und die Durch­messer betragen 117 cm, 96 cm, 86 cm sowie 70 cm.

Die Inschriften lauten:
Große Glocke: »LASSET EUCH VERSOEHNEN MIT GOTT [Kreuz mit Weltkugel] A D 1956 GEGOSSEN FÜR DIE IM KRIEGE 1939–1945 GENOMMENEN GLOCKEN«
Glocke 2: »SUCHET WAS DROBEN IST, DA CHRISTUS IST« [Chi Rho – Christus­monogramm]
Glocke 3: »FREUET EUCH, DASS EURE NAMEN IM HIMMEL GESCHRIEBEN SIND« [Ankerkreuz]
Kleine Glocke: »HALTET AN AM GEBET« [Opferschale mit Kreuz]

Als Tonbeispiel können Sie hier das Läuten zum Gottesdienst am Sonntagmorgen nachhören:.

Das Kirchenschiff und seine Fenster

Das Kirchen­schiff ist 25 Meter lang und 17 Meter breit. Den Raum überspannt eine hölzerne, von Schmuck­leisten gegliederte Tonnen­decke, deren ornamen­tale Bemalung, ausgeführt vom Leipziger Kunst­maler Paul Edlich, erhalten ist.

Die Kirche verfügt im Schiff über 500 und auf den Emporen über 150 Plätze.

Das Schiff wird an den beiden Längs­seiten von jeweils vier großen Rundbogen­fenstern erhellt, deren Maßwerk bei allen Fenstern verschieden ist. Nachdem die ursprüng­lichen Fenster beim Bomben­angriff am 4. Dezember 1943 zerstört worden sind, wurden 1954 die jetzigen Fenster eingesetzt. Die Entwürfe für alle Buntglas­fenster in der Kirche stammen von Max Alfred Brumme. Die Darstellungen auf den Schiff­fenstern dienen der Verkündi­gung durch Symbole, verbunden mit je einem Liedvers von Paul Gerhardt. Es gibt ein Paar Weihnachts-, Karfreitags-, Oster- und Pfingstfenster.

Die Fenster in Vorhalle, Altarraum und Kapelle

Die Fenster im Altarraum tragen die Symbole für die Taufe und das Heilige Abendmahl.

Die Fenster in der Vorhalle entstanden 1959 und sind dem Gedenken an die Opfer des 2. Weltkrieges gewidmet.

Die Kapellenfenster tragen die Symbole für die vier Evangelisten (1954).

Wie die Evangelisten zu den charakterisierenden Symbolen gekommen sind, dazu hat Pfarrerin Alber einen Beitrag für das Gemeindeblatt geschrieben, der hier nachgelesen werden kann:

Der Altarraum

Das wertvollste Kunstwerk der Kirche ist das Schnitzbild »Heiliges Abendmahl«, nach Joh. 13,34 geschaffen von dem Leipziger Holz­bildhauer Heinrich Behr, der auch den Altar und die Kanzel schuf, in Ergänzung des Altarbilds hin zu einem Gesamt­kunstwerk für die neue Conne­witzer Kirche. Er orientierte sich an byzanti­nischen Vorbildern und an einem gemäßigten Jugendstil.

Das Abendmahls­bild entstand allerdings bereits 1893; es wurde auf der im gleichen Jahr statt­findenden Welt­ausstellung in Chicago ausgestellt und dort mit einem Preis für zeit­gemäße Kunst ausge­zeichnet. Über das Schnitz­werk schrieb er: »Dasselbe zeichnet sich zunächst dadurch aus, indem es aus einer außer­gewöhnlich starken Riesenlinde bzw. deren Pfosten hergestellt ist, und die Bearbeitung daher eine besonders schwierige war.«

Heinrich Behr hat die Jünger Jesu seines Abendmahls­bildes selbst charakterisiert. Das Faltblatt mit seinen Erklärungen ist im Kirchenarchiv erhalten; Sie können es hier herunterladen:

Paul-Gerhardt-Kirche, Inneres, ca. 1970

In den 1950er Jahren wurde der Altarraum malermäßig instand­gesetzt. Die üppige, ursprüngliche Jugendstil­ausmalung wurde ab­gewaschen und durch einen dem Zeit­geschmack und den finan­ziellen Möglich­keiten entspre­chenden pastell­farbigen Anstrich ersetzt. Dabei wurde das Abendmahl­relief von Heinrich Behr von seinem angestammten Platz weg über den Taufstein in die Wand eingesetzt. Der reich mit Schnitz­kunst verzierte Eichenholz­rahmen ging dabei leider verloren. Begründet wurde diese Neu­ausrichtung damit, dass man die Sakramente der Taufe und des Heiligen Abend­mahls zusammen­führen möchte. Diese wahr­scheinlich auf Max Alfred Brumme zurück­gehende Umgestal­tung wurde in den 1980er Jahren bei der zweiten maler­mäßigen Instand­setzung, bei der auch Elemente der alten Ausmalung zitiert wurden, zurückgebaut.

Altarraum mit Abendmahlskreis

Das Kruzifix über dem Abendmahls­relief – zwar ebenfalls von Heinrich Behr aus Lindenholz, aber nicht in Zusammen­hang mit den übrigen Ausstattungs­stücken geschnitzt – weist die Besonder­heit auf, dass in der Schatten­bildung die beiden Schächer zur Rechten und Linken gesehen werden können.

Zu den Altarmöbeln gehört auch der Taufstein, geschaffen von Steinmetzmeister Herrmann Hempel.

Die Orgel
Schuke-Orgel

Seit 1974 hat die Kirche eine Schuke-Orgel mit zwei Manualen, einem Pedal, 28 Registern und 2079 Pfeifen.

 

 

Einige Tonbeispiele können Sie bei Interesse nun gern nachhören:

In dieser Aufnahme spielt Kantorin Elisabeth Kindel ein Concerto in D (Anonymus):

Wenn wir in höchsten Nöthen sein, Johann Sebastian Bach (Elisabeth Kindel):

Poco lento (Vieux Noël), César Franck (Elisabeth Kindel):

Batalla de 5. Tono, Anonymus (Elisabeth Kindel)

Das schöne Detail