Geschichte der Gethsemanekirche

Im 11. und 12. Jh. wurden durch regen Zuzug von deutschen, bäuerlichen Siedlern die sorbischen Ureinwohner immer mehr verdrängt. Urkundlich wird der Ort Lößnig im Jahre 1040 erstmals im Zusammenhang mit der durch das Hochstift vorgenommenen Gründung des Burgwartes genannt. Die deutschen Siedler brachten nicht nur ihren Glauben ins Land, sie bauten auch ihre Kirchen.

Lößniger Kirche bis 1876
Lößniger Kirche bis 1876

 

Geschichte der Kirche in Lößnig
Die Vorgängerbauten

Es wird vermutet, dass die erste Lößniger Kirche ihren Ursprung in den Anfängen der deutschen Kolonisation hatte und nur eine einfache Kapelle aus Feldsteinen war mit rundbogigen Fenstern ohne Scheiben, ohne Sitzbänke – lediglich mit Wand­malerei ausgestattet.

Der unmitelbare Vorgängerbau unserer heutigen Kirche ist durch Abbildungen bekannt (siehe oben, Bild im Fenster der heutigen Kirche): Eine einfache Feldsteinkirche mit Turm. Der Turm wurde im Laufe der Jahr­hunderte ständig verbessert; Anfang des 18. Jahrhunderts wurde er mit einem neuen Kopf versehen. Um dieselbe Zeit erhielt die Kirche eine zeit­gemäße Innen­ausstattung: Stühle, Emporen, bunte große Glasfenster, ein Taufbecken, Altar und wertvolles Kirchen­gerät (Leuchter, Kelche etc.). Im Jahre 1442 erhielt sie ihre erste Glocke, 1526 die zweite.

Durch Reformation und Kriege

Herzog Georg der Bärtige war ein hartnäckiger Gegner der Reformation. Als er 1539 starb, hielt auch in Lößnig die Reformation ihren Einzug. Der erste evangelische Lößniger Pfarrer war Stefan Göritz. Da sich das Dorf Lößnig kein Pfarrhaus leisten konnte, musste der Pfarrer von Leipzig wandern, reiten oder beschwerlich fahren, um seinen Dienst zu versehen.

Der von Wolf/Blasebalg gestiftetete Taufstein

1582 stifteten Wolf und Balthasar Blasebalg (Rittergut) einen Taufstein, und 1611 stiftete Hans Blasebalg die Kanzel.

Der 30-jährige Krieg (1618–1648) verwüstete die deutschen Länder, auch das Leipziger Land. Mühsam war das Aufbauwerk. Besondere Fürsorge der Menschen galt ihrer Kirche. Im Jahre 1653 erhielt sie ihre dritte Glocke, und 1667 stiftete Christian Simon ein Gemälde, die Geißelung Christi darstellend (Bild siehe »Das Gebäude«).

Ende des 17. Jh. verkaufte die Familie Blasebalg, ein großzügiger Förderer der Lößniger Kirche, ihr Rittergut an den Leipziger Kaufmann und Oberpostmeister Johann Jacob Kees (1645–1705). Auch diese Familie förderte die Kirche, so konnte 1745 die erste Orgel eingebaut werden.

Im Jahre 1758 verwüsteten preußischen Soldaten viele Landstriche von Sachsen. Kurfürst Friedrich August III. (1750–1827) wurde 1806 von Napoleon (1769–1821) zum König erhoben – ein Verhängnis für Sachsen und das kleine Dorf Lößnig. In der Völkerschlacht 16.–18. Oktober 1813 wurden Teile des Dorfes Lößnig und das Herren­haus zerstört. Die Kirche blieb äußerlich fast unversehrt, nur eine Kanonenkugel durchbrach die Mauer und blieb im Glockenturm liegen. Alles Brennbare wurde durch Soldaten aus der Kirche geholt, zur Unter­haltung ihrer Biwakfeuer. Wertvolle Gegenstände hatte der Pfarrer vorher in Sicherheit gebracht.

Das Herrenhaus stiftete 1826 200 Taler zur Erhaltung der Kirche und stellte ein Stück Land (zwischen Ernst-Toller-Str./Rembrandtstr./Siegfriedstr.) für den Lößniger Friedhof (Einweihung 1843) zu Verfügung.

Bau der heutigen Kirche
Die neue Lößniger Kirche von Südwest

Ein Baugutachten begründete im Oktober 1876 den Abriss des uralten Lößniger Kirchleins, und sofort wurde mit dem Neubau begonnen. Dem Baustil der Zeit entsprechend wurde die Lößniger Kirche neo-romanisch errichtet. Die Baukosten betrugen 35 000 Reichsmark. Bauleiter und Baumeister war Hugo Altendorff (1843–1933). Die Baukosten waren damals die niedrigsten, die je für einen Kirchen­neubau aufgewendet werden mussten, da eine große Menge alten Baumaterials aufgearbeitet und wieder verwendet werden konnte. Am 28. Oktober 1877 wurde die neue Kirche durch Sup. D. Michel geweiht. Patron und Kollator war der Besitzer des Rittergutes Leipzig-Lößnig, zuletzt der Rat der Stadt Leipzig.

Die neue Lößniger Kirche von Osten

Als die große Glocke im Jahre 1442 gestiftet wurde, stand die Kirche unter dem Patronat des Ritters von Pflugk. Sie läutet heute noch in der Kirche und ist eine der ältesten Glocken im Leipziger Land. Die mittlere Glocke von 1526 wurde im Jahre 1942 der Kirche Dösen überlassen. Sie kam 1982 nach Lößnig zurück. Die kleine Glocke von 1653 wurde beim Kirchen­neubau 1877 umgegossen und hing mit ihren Glocken­schwestern bis 1917 im Turm. Dann wurde sie beschlag­nahmt und in einer Schmelz­hütte in der Eifel für Kriegs­zwecke eingeschmolzen.

Historische Wandbemalung von Paul Edlich

Anlässlich der inneren Erneuerung der Kirche im Jahre 1927 wurde diese durch Maler­meister Paul Edlich, dem Maler der Gewölbetonne in der Paul-Gerhardt-Kirche, aus­gemalt. Es fanden sich links und rechts vom Altarraum zwei Szenen vom Geschehen in Gethsemane: links die Stärkung Jesu durch einen Engel samt den schlafenden Jüngern, rechts die Gefangennahme Jesu mit der Verteidigung des Petrus. Leider sind diese Gemälde bei einer Innenerneuerung im Jahre 1960 übermalt worden. – Im Übrigen sieht man auf dem historischen Foto auch die alten Kronleuchter, die als Vorbild für den 2015 neu für den Altarraum gefertigten Leuchter gedient haben.

Pfarrer und Pfarrerinnen in Lößnig

Die Ortsgemeinde Lößnig wurde am 1. Januar 1891 politisch der Stadt Leipzig einge­mein­det. Bis 1638 war Lößnig selbständiges Pfarramt, von 1638–1691 Tochterkirche von Güldengossa, 1691–1900 Tochterkirche von Markkleeberg, und vom 15. Oktober 1900 bis zum 30. April 1916 wurde die Kirchgemeinde als Tochter­kirche von Leipzig-Connewitz durch den dorti­gen dritten Geistlichen pastoriert. Am 1. Mai 1916 wurde die Lößniger Kirchgemeinde selbständig, und die Kirche erhielt den Namen „Gethsemanekirche“.

Seit den Tagen der Reformation haben folgende Pfarrer und Pfarrerinnen in Lößnig amtiert (ab 1999 im Verbund mit der Paul-Gerhardt-Kirche Connewitz, ab 2020 im Verbund der Kirchgemeinde im Leipziger Süden):

Altarbereich vor der Sanierung 2014/2015
  • 1568–1571 Caspar Starcke (Großvater von Paul Gerhardt, danach Superintendent in Eilenburg)
  • 1572–1604 Stephan Göritz, geb. 1544
  • 1604–1607 Mag. Johann Meurer, geb. 1563
  • 1607–1610 Mag. Christoph Röder, geb. 1578
  • 1610–1613 Georg Lönigk, geb. 1581
  • 1613–1636 Johann Oepfelbach, geb. 1580
  • 1638–1687 Christoph Garmann, geb. 16…
  • 1687–1731 Mag. Friedrich Schulze, geb. 1662
  • 1731–1769 Mag. Christian Friedrich Schulze, geb. 1692
  • 1770–1800 Johann Heinrich Bernhard Hindenburg, geb. 1737
  • 1800–1806 Karl Heinrich Hindenburg, geb. 1775
  • 1807–1826 Mag. Johann Gottfried Kori, geb. 1772
  • 1827–1851 Mag. Karl Friedrich Theodor Kornmann, geb. 1790
  • 1851–1872 Lic. Dr. Kurt Emil Tauberth, geb. 1818
  • 1872–1900 Karl August Hermann Jörschke, geb. 1843
  • 1900–1939 Rudolf Eger, geb. 09.05.1873, gest. 31.01.1953
  • 1939–1950 Georg Reichelt, geb. 28.08.1904
  • 1950–1957 Frieder Kriewald, geb. 13.10.1915
  • 1959–1962 Siegfried Haufe, geb. 02.04.1917
  • 1964–1975 Friedrich Körner, geb. 23.09.1910
  • 1976–1995 Heiner Böhme, geb. 10.03.1942
  • 1996–1999 Bernd Görk, geb. 14.05.1952
  • 1999–2002 Dr. Ulrich Seidel, geb. 09.03.1951
  • 1999–2010 Reinhard Enders, geb. 07.08.1955
  • 2003–2015 Dr. Reinhard Junghans, geb. 23.10.1960
  • seit 2012 Ruth Alber, geb. 08.01.1965
  • seit 2015 Christoph Reichl, geb. 11.05.1971