Die Paul-Gerhardt-Kantorei
In unserer Ev.-Luth. Kirchgemeinde Leipzig-Connewitz-Lößnig gibt es eine »gut bestallte Kirchenmusik« – wie es in der Bachzeit geheißen hätte. Wir haben im Leipziger Süden eine selbstbewusste, motivierte, offene und vielfältig erwartungsvolle Kantorei. Herzliche und freundschaftliche Begegnungen bestimmen den Choralltag. Seit Jahresbeginn wird die Kantorei von Kirchenmusikdirektor Enrico Langer geleitet, der sich im folgenden vorstellt:
Enrico Langer stellt sich vor
Liebe Kirchgemeinde in Connewitz und Lößnig, mein Name ist Enrico Langer, und seit dem 1. August 2025 bin ich der neue Kirchenmusikdirektor im Kirchenbezirk Leipzig. In diesem Amt folge ich KMD Stephan Paul Audersch nach, der nach 30 Jahren treuen Dienstes in den Ruhestand verabschiedet wurde. Im Rahmen der Wiederbesetzung der KMD-Stelle wurde der musikalische und praktische Dienst einer neuen Kirchenregion zugeordnet. Somit darf ich in der großen Kirchenregion der Kirchgemeinden im Leipziger Süden Dienst tun.
Der Schwerpunkt meiner Arbeit liegt auf der Tätigkeit als Kirchenmusikdirektor. In diesem Amt fließen Fachberatung und die Leitung der gesamten Kirchenmusik im größten Kirchenbezirk der Landeskirche Sachsens ineinander. Zu dieser Tätigkeit gesellt sich ein kleinerer musikalisch-praktischer Arbeitsanteil, den ich in der Kirchenregion Süd tue, wo ich das gottesdienstliche Orgelspiel in den Gemeinden des Kirchenquartetts übernehme und mich um die mir anvertrauten Instrumente kümmern werde. Seit Januar 2026 leite ich zudem die Paul-Gerhardt-Kantorei in Leipzig-Connewitz.
Ich stamme aus Wiesa im Erzgebirge, wo ich die ersten 49 Jahre meines Lebens verbracht habe. Ich bin verheiratet mit meiner Frau Dorothea, geborene Martin, und wir haben zwei erwachsene Kinder, Jonathan und Theresa. Nach meinem Studium an der Hochschule für Kirchenmusik in Dresden und dem Zivildienst begann ich 2001 meinen Dienst als Kirchenmusiker an der St. Niklas-Kirche in der Bergstadt Ehrenfriedersdorf, wo ich eine lebendige Kirchenmusik aufbauen konnte.
Von 2012 an war ich Assistent und Stellvertreter von Kirchenmusikdirektor Matthias Süß im Kirchenbezirk Annaberg, bevor ich 2020 zu seinem Nachfolger berufen wurde. Ein vielseitiges Wirken als Konzertorganist und Komponist ergänzte bisher meine Tätigkeit.
Nun sind wir als Familie und ich beruflich in Leipzig angekommen. Ich freue mich auf viele neue Begegnungen, auf manche Herausforderung und auf gemeinsame musikalische Wege. Besonders gespannt bin ich auf die Kirchgemeinden im Süden Leipzigs, die ich nun auch musikalisch begleiten und bereichern darf.
Möge mein Wirken in Leipzig bei und mit Ihnen gesegnet sein!
Herzliche Grüße
KMD Enrico Langer
Die Kantorei hat über 70 Mitglieder und singt in Gottesdiensten und Konzerten.
Wir proben montags um 19.30 Uhr im Paul-Gerhardt-Haus, Selneckerstraße 7 und freuen uns immer über Verstärkung!
Bereits jetzt möchten wir auf das nächste Konzert unserer Kantorei aufmerksam machen: Am 2. Mai, um 17:00 Uhr erklingen in der Paul-Gerhardt-Kirche das Osteroratorium »Kommt eilet und laufet« (BWV 249) und das Himmelfahrtsoratorium »Lobet Gott in seinen Reichen« (BWV 11) von J. S. Bach. Beide Oratorien sind größer angelegte Kantaten, in denen die biblische Handlung durch die Rezitative erzählt und von Arien, Chören und Chorälen ausgedeutet, kommentiert und verinnerlicht wird. Die Paul-Gerhardt-Kantorei musiziert gemeinsam mit Solistinnen und Solisten und dem Sächsischen Barockorchester unter Leitung von KMD Enrico Langer.
Karten können ab dem 30. März zu 20 € und zu 16 € (ab 14 Jahre, Jugendliche und Studierende, Schwerbehinderte) in der Musikalienhandlung Oelsner, Schillerstr. 5, und im Pfarramt Connewitz erworben werden. Kinder unter 14 Jahren haben freien Eintritt.
Vergangene Auftritte können Sie hier nochmals in Text, Bild und Ton nacherleben.
Ein Geschenk der besonderen Art zum 125. Kirchweih-Jubiläum
Dass am 5. April 2025 Johann Sebastian Bachs Matthäus-Passion in unserer herrlichen Kirche erklingen würde – daran hatte wohl kaum einer von der Paul-Gerhardt-Kantorei geglaubt, aber die Vision unseres Vertretungs-Kantors Noah Roloff wurde Wirklichkeit: Im September 2024 überraschte Noah seine neue Kantorei zu einer ersten Probe mit einem Paukenschlag: nämlich, dass er, zusammen mit der uns unbekannten Kantorei der Sellerhäuser Emmaus-Kirche, unter gemeinsamer Leitung mit ihrem Kantor Konrad Pippel, das große Werk der Passionsgeschichte – die Bachsche Matthäus-Passion – in Angriff nehmen wolle mit dem Ziel der Aufführungen in der Passionszeit 2025 in der Paul-Gerhardt-Kirche und am Folgetag in der Sellerhäuser Emmauskirche.
Ich als langjähriges Kantorei-Mitglied kann nur berichten, dass nach dieser Zielorientierung in unserer Kantorei die Zahl der Skeptiker und Mahner in Anbetracht des riesigen Vorhabens nicht gerade gering war.
Aber wir haben diese Herausforderung angenommen, und dank der Mut machenden, motivierenden und souveränen inhaltlichen und musikalischen Probenarbeit unter der Leitung von Noah Roloff wurden wir immer zuversichtlicher und optimistischer: und wie oft sind wir nach straffer Probenarbeit beseelt nach Hause gegangen und haben uns dankbar gefragt, wie es sein kann, dass wir wieder einen neuen Teil dieses großartigen Verkündigungs-Werkes erarbeitet haben; dass wir – ob jüngere oder ältere Kantorei-Mitglieder – dies geschafft haben, dass wir die Kraft geschenkt bekommen haben, dabei sein zu können im Wachsen und Entstehen dieser gewaltigen Herausforderung.
Dass dann zur Aufführung am 5.4. und 6.4.2025 in den zwei Kirchen die beiden Kantoreien mit ihren Kurrenden unter der Leitung ihrer beiden hauseigenen Kantoren zur Verkündigung von Bachs christlicher Botschaft zusammengewachsen waren – geführt von wunderbaren Gesangs-Solisten und musizierend mit den herrlichen Instrumental-Solisten des Sächsischen Barockorchesters – das war hör- und sehbar einfach überwältigend und ein großes Erlebnis für jeden einzelnen Mitwirkenden, aber auch für die begeisterte, ergriffene Zuhörer-Gemeinde in beiden Kirchen. Und es war ein wahrhaft einzigartiges Geschenk zum 125. Kirchweih-Jubiläum unserer Paul-Gerhardt-Kirche.
Ich sage Dank im Namen der Kantorei, dass wir dabei sein durften.
Text: Ute Frester – Fotos: Denise Röhl
Und hier sind zwei Tonbeispiele:
»Herr, öffne meine Lippen«: Die Orgel wurde im Jahr 2024 50 Jahre alt – und um die 120 Musiker aus dem Leipziger Süden trafen ein zum »Fest der Kirchenmusik«.
Vor einem halben Jahrhundert wurde für die Connewitzer Kirchgemeinde und ihren damaligen Kantor Johannes Muntschick ein Traum wahr: Die Schuke-Orgel wurde geweiht und ersetzte die Ladegast-Orgel, die als unspielbar galt. Aus Anlass des Jubiläums luden die Kirchgemeinden des Leipziger Südens zum Fest der Kirchenmusik, zu dem sich am 4. Mai 2024 ungefähr 120 Sängerinnen und Sänger, Musikerinnen und Musiker in der Paul-Gerhardt-Kirche einfanden.
Es wurde ein Fest der vielen Klangfarben,
- mit der Kantorei Peters-Bethlehem unter Ulrike Pippel, die dirigierte, als Sopranistin solistisch auftrat und das Offene Singen gestaltet hat;
- mit der Kantorei Marienbrunn, geleitet von Philipp Spielmann, der auch selbst in die Tasten griff und als Tenor solistisch auftrat;
- mit dem Singkreis Lößnig, geleitet von Mirka Aurich; und mit dem Singkreis Bethlehem um Holger Hildebrand, der der Orgel mit Stings »English Man in New York« ungewohnte Töne abluchste
- und einem Bachwerk, das Daniel Vogt auf der Orgel spielte, zu einer Schlagzeugbegleitung verhalf.
- Ein Bläserensemble und ein Instrumentalkreis machten den Klang komplett.
Gastgebende Kantorei war die von Connewitz-Lößnig unter der Leitung von Elisabeth Kindel, die dirigierte und ausnahmsweise nicht an der Orgel saß, sondern das Programm moderierte und mit Anekdoten würzte – etwa jener, dass die Finanzierung der Orgel auf dem Spiel stand, bis der Gemeinde eine Erbschaft von 100.000 Mark in den Schoß fiel – was den Orgelbau besiegelte.
»Herr, öffne meine Lippen, damit mein Mund Dein Lob verkünde« – der Psalm-Text, dessen Vertonung von Robert Jones die Chöre darboten, hätte gut als Motiv über der Feier stehen können, die – so gesehen – schon mit der gemeinsamen Probe begann. Dem folgte das Kaffeetrinken aller Beteiligten im Paul-Gerhardt-Gemeindehaus. Eine Torte wartete gar mit Orgel-Dekor auf. Dass all das gelang, ist vielen zu verdanken, die dazu beigetragen haben.
Text: Jana Dichelle / Fotos: Michael Gerlach
Vorangegangen war der Feier eine Orgelreinigung, wie sie die Orgel in ihren fünfzig Jahren noch nicht erlebt hatte. Daran waren neben professionellen Orgelbauern auch viele Helfer aus der Gemeinde als Trägerinnen, Puster, Wäscherinnen, Schrauber, Puzzlerinnen und Pinsler und Kuchenbäckerinnen beteiligt.
Am Montag, dem 14. August 2013, hatten die Orgelbauer früh die Kirchentür aufgeschlossen, um 13 Uhr stand das erste Hilfsteam bereit – trotz kurzfristiger Ansage, dass das Projekt einen Tag früher beginnt, als ursprünglich angenommen. Dienstag und Mittwoch gaben sich die verschiedenen Teams von 8 bis 19 Uhr nicht die Klinke, sondern die Pfeifen in die Hand. Die Jüngsten waren 9 Jahre alt, der Älteste 82.
Für jede/n gab es etwas zu tun. Es waren interessante Einblicke, abwechslungsreiche Aufgaben, und mit etwas Geschick konnte man sogar mit Hilfe des Kompressors »Musik« machen. Und ich kann nun auch sagen: Orgelreinigen macht Spaß! Schade, dass das nur alle 50 Jahre geschieht (empfohlen wird es allerdings alle 25 Jahre, damit die Staubschicht nicht zu dick wird) ;-)
Freude macht es vor allem auch in Zusammenarbeit mit fröhlichen Helferinnen und Helfern, und wenn dann noch morgens ein frisch gebackener Kuchen auf dem Pausenversorgungstisch steht ... Am Donnerstag schließlich hat das letzte Team um 11:42 Uhr den Lappen aus der Hand gelegt. Die Orgelbauer waren noch eine Weile beschäftigt mit der Reinigung des Orgelinneren und dem Wiedereinbau wenigstens eines Teiles der Pfeifen; sie kamen dann in der Woche vom 11. September 2023 wieder, um die Orgel wieder spielfähig zu machen.
Kantorin Elisabeth Kindel
P.S.: Ich hab mal ausgerechnet: Es waren 121 Arbeitsstunden, die erbracht wurden! Die Kuchenbäckerin nicht mitgerechnet ;-)
Die Kantorei hatte schon während der Corona-Pandemie immer wieder Chöre aus Händels Messias geprobt, um ein Ziel und eine Hoffnung zu haben. Am 16.11.2022 fand dann die Aufführung statt, nachdem das letzte Oratorienkonzert schon drei Jahre zurück lag.
Um die Entstehung des Werkes rankt sich die Legende, dass Händel nach der Genesung von schwerer Krankheit das Oratorium als Dank an Gott komponierte.
»Singt Schütz!« hatte das Kirchenchorwerk der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens aufgerufen, und unsere Kantorei war zusammen mit dem Jugendchor im Leipziger Süden eine von neun, die den Ruf erhört hatten. Anlass war der 350. Todestag des Komponisten, der vor Jahrhunderten meisterhaft für mehrstimmige Chöre komponiert hat.
Wir führten das Programm am 30. Juni auf, einem eher publikumsunfreundlichen Donnerstag.
Neben Werken von Schütz hatten wir »Cantate Dominum« von Hans Leo Hassler, einem noch früheren Meister, und »Fürchte dich nicht« von Johann Christian Bach einstudiert – über Monate hinweg, und immer wieder hatte die pandemische Lage den Fortgang der Proben erschwert.
Kantorin Elisabeth Kindels beharrlichem Dranbleiben ist es zu verdanken, dass wir ebenfalls dranblieben, genau wie der Jugendchor unter Kantorin Ulrike Pippel. Erst kurz vor der Aufführung trafen die Chöre aufeinander und auf das Ensemble Capella de la Torre, das das Kirchenchorwerk für das Projekt engagiert hatte.
Dabei erwies sich, dass die musikalischen Vorstellungen nicht in allen Punkten übereinstimmten. Die Cappella spielte die alten Werke routiniert, während wir uns zunächst in das gemeinsame Spiel einfinden mussten. Besonders das Werk »Fürchte dich nicht« forderte uns mit langen gehaltenen Noten heraus, was der Cappella nicht entging. Sie entschied am Tag der Aufführung, das Stück nur mit Orgel, nicht aber wie vereinbart mit Bläsern zu begleiten.
Wer jemals auf einer Bühne stand und vor Publikum aufgetreten ist, weiß: Dass der Funke überspringt, lässt sich nicht erzwingen. Die Kirche war gefüllt, nicht zum Bersten, aber ordentlich. Der Musikwissenschaftler Martin Krumbiegel sprach zur Einordnung. Einen Teil der Stücke spielte die Cappella allein, einen Teil sangen die Chöre, unterschiedlich begleitet. Es war das erste Konzert seit Corona, und es gelang. Und gerade das gefürchtete »Fürchte dich nicht« gelang, denn wir wuchsen über uns hinaus. Es gelang mit minimaler Begleitung so, dass man am Ende eine Stecknadel hätte fallen hören können, ehe Applaus toste.
»Singt Schütz!« hatte man uns aufgefordert. Haben wir gemacht. Und uns nicht gefürchtet.
Jana Dichelle
Auf der Kantorei-Seite kann man über uns lesen, dass wir »selbstbewusst, motiviert, offen, vielfältig und erwartungsvoll« sind. Das stimmt in der Tat, aber gerade im Rückblick auf die letzten Monate möchte ich einen ganz wichtigen Faktor hinzufügen: Wir werden geleitet, gefordert und gefördert durch unsere Kantorin Elisabeth Kindel, die hohe fachspezifische Fähigkeiten mitbringt und diese – gepaart mit tiefer religiöser Überzeugung – motivierend und engagiert auf ihre Kantorei überträgt, was sicher nicht immer leicht ist, denn es gilt, über 80 Sängerinnen und Sänger zwischen 20 und 80 Jahren alt, die unterschiedlichste berufliche, private und musikalische Erfahrungen und Meinungen mitbringen, zusammenzuführen und zum disziplinierten Kantorei- und Proben-»Dienst« anzuhalten. Unsere Kantorin hat gerade in den Vorbereitungsmonaten auf die »Elias«-Aufführung diese Mammut-Aufgabe geschafft – auch durch einen guten Umgang mit kooperativen Hinweisen und dem Einsatz von organisatorischen Helfern »hinter den Kulissen«.
Nach dem Konzert am Buß- und Bettag am 21. November 2018 in unserer herrlichen und bestens gefüllten Paul-Gerhardt-Kirche sind wir von der Kantorei – jeder Einzelne – dankbar und auch ein wenig stolz, dass wir Teil der Musiziergemeinschaft sein durften, die Mendelssohns großartiges Werk »Elias« erklingen ließ. Wir haben das Publikum in der Kirche angesteckt mit unserem »Elias«-Fieber, und die Menschen hatten direkt oder unbewusst begriffen, wovon der Chor sang: »Wohl dem, der den Herrn fürchtet«. Durch vielerlei Rückmeldungen erfuhren wir, dass die Zuhörer emotional stark beeindruckt waren von der einheitlichen und überzeugenden Umsetzung des Werkes durch den Chor, durch Orchester und Solisten – geleitet durch das souveräne Dirigat unserer Kantorin.
Dieses Konzert war und ist ein Meilenstein in unserer Kantorei-Geschichte, der das enge Band zwischen Kantorin und Kantorei noch fester geknüpft hat. Es lässt uns die Mühen des Proben-Alltags vergessen und ist Kraftquell für kommende Aufgaben. Einhellig stellen wir fest: Es hat sich gelohnt, keiner denkt mehr zurück an die Hürden des Probenbeginns im Sommer 2018, wo manche musikalische Passage doch noch sehr »ausbaufähig« klang. Aber wir ließen uns nicht entmutigen: Voller Elan blieben wir am Ball, übten, diskutierten, übten erneut, trafen uns zum Proben-Sonnabend im September, dann zum Probenwochenende Anfang November in Dahme, wo endlich auch mal Zeit war zum Schwatzen und Feiern, wo aber erneut »Elias« viele Stunden am Tag unser Wirken bestimmte. Und manchmal fragten wir uns: woher nimmt unsere Kantorin mental und künstlerisch die Kraft, die sie auf uns überträgt, was auch die Fotos von der Kantoreifahrt nach Dahme ein wenig zeigen sollen. Danke, liebe Elisabeth und danke auch an Daniel Vogt, dem hervorragenden Korrepetitor an deiner Seite, der uns zum Probenwochenende noch mit einem genialen Orgelvortrag zu später Stunde begeisterte.
Wir von der Kantorei gehen nach diesen »Elias«-Wochen gestärkt und fröhlich an unsere schönen und vielfältigen Aufgaben; ob in Gottesdiensten, bei Konzerten, bei Feiern im kirchlichen Alltag oder bei geselligen Kantorei-Festen. Gemeinsam beseelt uns unser Auftrag
»Cantate domino« – Singet dem Herrn!
Text: Ute Frester, Chorsprecherin
Fotos: Dirk Heyne, Chorsprecher
Die Aufnahme soll einen Eindruck des Konzertabends wiedergeben. Zu hören sind der Schlusschor des 1. Teils »Dank sei dir, Gott« und aus dem 2. Teil der Chor »Siehe, der Hüter Israels« (ab 4:12 min).
Am Ostersonntag zum Festgottesdienst führte unsere Kantorei das »Gloria in D‑Dur« von Antonio Vivaldi (1678–1748) auf. Es spielte das Ensemble Jürgen Hartmann, es sangen die Solistinnen Susanne Haupt (Sopran) und Ingeborg Nielebock (Alt). In unserer Hörprobe finden Sie die Teile »Gloria«, »Et in terra pax« (ab 2:28 min) und »Domine, fili unigenite« (ab 5:55 min):
Antonio Vivaldi hat dieses sein bekanntestes kirchenmusikalisches Werk vermutlich für das Orchester und den Chor des Mädchen-Waisenhauses »Ospedale della Pietà« in Venedig geschrieben, wo er als Instrumentallehrer und Kapellmeister angestellt war. Unter seiner Leitung erlangte das Orchester ein beachtliches Niveau, sodass Konzerte mit Eintrittsgeldern gegeben wurden, die zum Erhalt des Waisenhauses beigetragen haben. Das »Gloria« ist ein groß angelegtes Werk im Stile der »missa concertata« und umfasst zwölf Teile. Der lateinische Text stammt aus der Liturgie, die auch heute noch in der katholischen Sonntagsmesse gesungen bzw. gebetet wird.
»Jauchzet, frohlocket« gemeinsam mit Kantorei und Orchester – ein besonderes Weihnachtsoratorium fand am 15. Dezember 2017 in der Connewitzer Paul-Gerhardt-Kirche statt: Bei dieser Aufführung durfte mitgesungen werden! Es erklangen die Kantaten I–III des Weihnachtsoratoriums von Johann Sebastian Bach. Wer mitsingen wollte, brachte eigene Noten mit und saß im Publikum. Die Choräle und das Da capo der Eingangschöre der ersten und dritten Kantate konnten mitgesungen werden.
Begleitet wurden die Paul-Gerhardt-Kantorei und der Kirchenchor St. Bonifatius-Süd (Leitung: Stephan Gogolka) vom Mitteldeutschen Kammerorchester und den Solisten Susanne Haupt (Sopran), Ingeborg Nielebock (Alt), Stephan Scherpe (Tenor) und Stephan Heinemann (Bass). Die Leitung hatte Elisabeth Kindel.
Das folgende Audio enthält in einer Zusammenstellung die Chöre und Choräle »Jauchzet, frohlocket«, »Wie soll ich dich empfangen« (ab 8:35 min), »Ach mein herzliebes Jesulein« (ab 9:53 min), »Brich an, o schönes Morgenlicht« (ab 11:10 min) und »Herrscher des Himmels« (ab 12:15 min); es soll einen kleinen Eindruck des Konzertabends wiedergeben:
In der Paul-Gerhardt-Kirche erklang in diesem Jahr der Kreuzweg (»Via crucis«) in der Vertonung von Franz Liszt (1811–1886). Das meditativ-expressive Stück – eine musikalische Kreuzwegandacht – ist für Chor, Bariton und Orgel geschrieben worden. Es ist ein Alterswerk des spätromantischen Komponisten, der sich im Alter vermehrt den geistlichen Themen zuwandte und sich sogar die sogenannten »niederen Weihen« (eine Vorstufe zum Priestertum) geben ließ. Das Werk vereinigt Gregorianik, prostestantisches Kirchenlied, Choralsatz à la Bach, expressive Harmonik, unbegleitetes Solorezitativ, dramatisches Chor-Unisono und terzenselige Frauenchor-Passagen. Diese vielfältigen vokalen Elemente sind eingebettet in einen gleichzeitig einfachen und raffinierten Orgelsatz. Technische Einfachheit und musikalische Vielfalt prägen das Werk, das in unserer Aufführung von Bildern zu den Kreuzwegstationen begleitet wird.
Die Kantorei der Paul-Gerhardt-Kirche wurde von Daniel Beilschmidt an der Orgel begleitet. Die Leitung hatte Kantorin Elisabeth Kindel.
Einige Ausschnitte sind hier in einem Video zusammengestellt: