Die Paul-Gerhardt-Kantorei

In unserer Ev.-Luth. Kirch­gemeinde Leipzig-Conne­witz-Lößnig gibt es eine »gut bestallte Kirchen­musik« – wie es in der Bach­zeit geheißen hätte. Wir haben im Leipziger Süden eine selbst­bewusste, moti­vierte, offene und viel­fältig erwar­tungs­volle Kantorei. Herz­liche und freund­schaft­liche Begeg­nungen bestim­men den Chor­alltag. Seit Jahres­beginn wird die Kantorei von Kirchen­musik­direktor Enrico Langer geleitet, der sich im folgen­den vorstellt:


Enrico Langer stellt sich vor

Liebe Kirchgemeinde in Connewitz und Lößnig, mein Name ist Enrico Langer, und seit dem 1. August 2025 bin ich der neue Kirchen­musik­direktor im Kirchen­bezirk Leipzig. In diesem Amt folge ich KMD Stephan Paul Audersch nach, der nach 30 Jahren treuen Dienstes in den Ruhestand ver­abschie­det wurde. Im Rahmen der Wieder­besetzung der KMD-Stelle wurde der musika­lische und prak­tische Dienst einer neuen Kirchen­region zugeordnet. Somit darf ich in der großen Kirchen­region der Kirchgemeinden im Leipziger Süden Dienst tun.

Enrico Langer / Foto: Emanuel Scobel

Der Schwerpunkt meiner Arbeit liegt auf der Tätigkeit als Kirchen­musik­direktor. In diesem Amt fließen Fach­beratung und die Leitung der gesamten Kirchen­musik im größten Kirchen­bezirk der Landes­kirche Sachsens ineinander. Zu dieser Tätigkeit gesellt sich ein kleinerer musi­kalisch-prakti­scher Arbeits­anteil, den ich in der Kirchen­region Süd tue, wo ich das gottes­dienst­liche Orgel­spiel in den Gemein­den des Kirchen­quartetts über­nehme und mich um die mir an­vertrau­ten Instru­mente kümmern werde. Seit Januar 2026 leite ich zudem die Paul-Gerhardt-Kantorei in Leipzig-Connewitz.

Ich stamme aus Wiesa im Erzgebirge, wo ich die ersten 49 Jahre meines Lebens verbracht habe. Ich bin verheiratet mit meiner Frau Dorothea, geborene Martin, und wir haben zwei erwach­sene Kinder, Jonathan und Theresa. Nach meinem Studium an der Hoch­schule für Kirchen­musik in Dresden und dem Zivil­dienst begann ich 2001 meinen Dienst als Kirchen­musiker an der St. Niklas-Kirche in der Berg­stadt Ehren­frieders­dorf, wo ich eine leben­dige Kirchen­musik aufbauen konnte.

Von 2012 an war ich Assistent und Stell­vertreter von Kirchen­musik­direktor Matthias Süß im Kirchen­bezirk Annaberg, bevor ich 2020 zu seinem Nach­folger berufen wurde. Ein viel­seitiges Wirken als Konzert­organist und Kom­ponist ergänzte bisher meine Tätigkeit.

Nun sind wir als Familie und ich beruflich in Leipzig angekom­men. Ich freue mich auf viele neue Begeg­nungen, auf manche Heraus­forderung und auf gemein­same musika­lische Wege. Besonders gespannt bin ich auf die Kirch­gemeinden im Süden Leipzigs, die ich nun auch musikalisch begleiten und bereichern darf.

Möge mein Wirken in Leipzig bei und mit Ihnen gesegnet sein!

Herzliche Grüße
KMD Enrico Langer


Die Kantorei hat über 70 Mitglieder und singt in Gottesdiensten und Konzerten.
Wir proben montags um 19.30 Uhr im Paul-Gerhardt-Haus, Selnecker­straße 7 und freuen uns immer über Verstärkung!

Bereits jetzt möchten wir auf das nächste Konzert unserer Kantorei aufmerksam machen: Am 2. Mai, um 17:00 Uhr er­klingen in der Paul-Gerhardt-Kirche das Osteroratorium »Kommt eilet und laufet« (BWV 249) und das Himmelfahrts­oratorium »Lobet Gott in seinen Reichen« (BWV 11) von J. S. Bach. Beide Oratorien sind größer angelegte Kantaten, in denen die biblische Handlung durch die Rezita­tive erzählt und von Arien, Chören und Chorälen ausgedeutet, kommentiert und verinnerlicht wird. Die Paul-Gerhardt-Kantorei musiziert gemeinsam mit Solis­tinnen und Solisten und dem Sächsischen Barock­orchester unter Leitung von KMD Enrico Langer.

Karten können ab dem 30. März zu 20 € und zu 16 € (ab 14 Jahre, Jugendliche und Studierende, Schwer­behinderte) in der Musikalienhandlung Oelsner, Schillerstr. 5, und im Pfarramt Connewitz er­worben werden. Kinder unter 14 Jahren haben freien Eintritt.

 

Rückblicke

Vergangene Auftritte können Sie hier nochmals in Text, Bild und Ton nach­erleben.

Matthäus-Passion (2025)

Ein Geschenk der besonderen Art zum 125. Kirchweih-Jubiläum

Dass am 5. April 2025 Johann Sebastian Bachs Matthäus-Passion in unserer herrlichen Kirche erklingen würde – daran hatte wohl kaum einer von der Paul-Gerhardt-Kantorei geglaubt, aber die Vision unseres Vertretungs-Kantors Noah Roloff wurde Wirklichkeit: Im September 2024 überraschte Noah seine neue Kantorei zu einer ersten Probe mit einem Pauken­schlag: nämlich, dass er, zusammen mit der uns un­be­kannten Kantorei der Seller­häuser Emmaus-Kirche, unter gemein­samer Leitung mit ihrem Kantor Konrad Pippel, das große Werk der Passions­geschichte – die Bachsche Matthäus-Passion – in Angriff nehmen wolle mit dem Ziel der Auf­führungen in der Passionszeit 2025 in der Paul-Gerhardt-Kirche und am Folgetag in der Seller­häuser Emmaus­kirche.

Ich als langjähriges Kantorei-Mitglied kann nur berichten, dass nach dieser Ziel­orientie­rung in unserer Kantorei die Zahl der Skeptiker und Mahner in An­betracht des riesigen Vorhabens nicht gerade gering war.

Aber wir haben diese Heraus­forderung angenommen, und dank der Mut machenden, motivie­renden und souveränen inhaltlichen und musikalischen Proben­arbeit unter der Leitung von Noah Roloff wurden wir immer zuversicht­licher und optimi­stischer: und wie oft sind wir nach straffer Probenarbeit beseelt nach Hause gegangen und haben uns dankbar gefragt, wie es sein kann, dass wir wieder einen neuen Teil dieses groß­artigen Verkün­digungs-Werkes erarbeitet haben; dass wir – ob jüngere oder ältere Kantorei-Mitglieder – dies geschafft haben, dass wir die Kraft geschenkt bekommen haben, dabei sein zu können im Wachsen und Entstehen dieser gewaltigen Heraus­forderung.

Dass dann zur Aufführung am 5.4. und 6.4.2025 in den zwei Kirchen die beiden Kanto­reien mit ihren Kurrenden unter der Leitung ihrer beiden haus­eigenen Kantoren zur Verkün­digung von Bachs christlicher Botschaft zusammen­gewachsen waren – geführt von wunder­baren Gesangs-Solisten und musi­zierend mit den herrlichen Instru­mental-Solisten des Sächsi­schen Barock­orchesters – das war hör- und sehbar einfach über­wältigend und ein großes Erlebnis für jeden einzelnen Mitwir­kenden, aber auch für die begeisterte, ergriffene Zuhörer-Gemeinde in beiden Kirchen. Und es war ein wahrhaft einzig­artiges Geschenk zum 125. Kirchweih-Jubiläum unserer Paul-Gerhardt-Kirche.

Ich sage Dank im Namen der Kantorei, dass wir dabei sein durften.

Text: Ute Frester – Fotos: Denise Röhl

Und hier sind zwei Tonbeispiele:
Eingangschor

 

 

O Mensch, bewein dein Sünde groß

 

 

50 Jahre Schuke-Orgel in Paul-Gerhardt (2024)

»Herr, öffne meine Lippen«: Die Orgel wurde im Jahr 2024 50 Jahre alt – und um die 120 Musiker aus dem Leipziger Süden trafen ein zum »Fest der Kirchenmusik«.

Vor einem halben Jahrhundert wurde für die Conne­witzer Kirch­gemeinde und ihren damaligen Kantor Johannes Muntschick ein Traum wahr: Die Schuke-Orgel wurde geweiht und ersetzte die Ladegast-Orgel, die als unspiel­bar galt. Aus Anlass des Jubiläums luden die Kirch­gemeinden des Leipziger Südens zum Fest der Kirchen­musik, zu dem sich am 4. Mai 2024 ungefähr 120 Sänge­rinnen und Sänger, Musike­rinnen und Musiker in der Paul-Gerhardt-Kirche einfanden.

Es wurde ein Fest der vielen Klang­farben,

  • mit der Kantorei Peters-Bethlehem unter Ulrike Pippel, die dirigierte, als Sopranistin solistisch auftrat und das Offene Singen gestaltet hat;
  • mit der Kantorei Marien­brunn, geleitet von Philipp Spielmann, der auch selbst in die Tasten griff und als Tenor solistisch auftrat;
  • mit dem Singkreis Lößnig, geleitet von Mirka Aurich; und mit dem Singkreis Bethlehem um Holger Hildebrand, der der Orgel mit Stings »English Man in New York« ungewohnte Töne abluchste
  • und einem Bachwerk, das Daniel Vogt auf der Orgel spielte, zu einer Schlagzeug­begleitung verhalf.
  • Ein Bläser­ensemble und ein Instrumental­kreis machten den Klang komplett.

Gastgebende Kantorei war die von Connewitz-Lößnig unter der Leitung von Elisabeth Kindel, die dirigierte und ausnahms­weise nicht an der Orgel saß, sondern das Programm mode­rierte und mit Anek­doten würzte – etwa jener, dass die Finan­zierung der Orgel auf dem Spiel stand, bis der Gemeinde eine Erb­schaft von 100.000 Mark in den Schoß fiel – was den Orgelbau besiegelte.

»Herr, öffne meine Lippen, damit mein Mund Dein Lob verkünde« – der Psalm-Text, dessen Vertonung von Robert Jones die Chöre darboten, hätte gut als Motiv über der Feier stehen können, die – so gesehen – schon mit der gemein­samen Probe begann. Dem folgte das Kaffee­trinken aller Betei­ligten im Paul-Gerhardt-Gemeinde­haus. Eine Torte wartete gar mit Orgel-Dekor auf. Dass all das gelang, ist vielen zu verdan­ken, die dazu bei­getragen haben.

Text: Jana Dichelle / Fotos: Michael Gerlach

Vorangegangen war der Feier eine Orgelreinigung, wie sie die Orgel in ihren fünfzig Jahren noch nicht erlebt hatte. Daran waren neben pro­fessio­nellen Orgel­bauern auch viele Helfer aus der Gemein­de als Träge­rinnen, Puster, Wäsche­rinnen, Schrau­ber, Puzzle­rinnen und Pinsler und Kuchen­bäcke­rinnen beteiligt.

Am Montag, dem 14. August 2013, hatten die Orgelbauer früh die Kirchentür auf­geschlossen, um 13 Uhr stand das erste Hilfsteam bereit – trotz kurzfristiger Ansage, dass das Projekt einen Tag früher beginnt, als ursprüng­lich angenommen. Dienstag und Mittwoch gaben sich die verschiedenen Teams von 8 bis 19 Uhr nicht die Klinke, sondern die Pfeifen in die Hand. Die Jüngsten waren 9 Jahre alt, der Älteste 82.

Für jede/n gab es etwas zu tun. Es waren interes­sante Einblicke, abwechs­lungs­reiche Aufgaben, und mit etwas Geschick konnte man sogar mit Hilfe des Kompressors »Musik« machen. Und ich kann nun auch sagen: Orgel­reinigen macht Spaß! Schade, dass das nur alle 50 Jahre geschieht (empfohlen wird es allerdings alle 25 Jahre, damit die Staub­schicht nicht zu dick wird) ;-)

Freude macht es vor allem auch in Zusammen­arbeit mit fröhlichen Helfe­rinnen und Helfern, und wenn dann noch morgens ein frisch gebackener Kuchen auf dem Pausen­versor­gungs­tisch steht ... Am Donnerstag schließlich hat das letzte Team um 11:42 Uhr den Lappen aus der Hand gelegt. Die Orgel­bauer waren noch eine Weile beschäftigt mit der Reinigung des Orgel­inneren und dem Wieder­einbau wenigstens eines Teiles der Pfeifen; sie kamen dann in der Woche vom 11. Sep­tember 2023 wieder, um die Orgel wieder spielfähig zu machen.

Kantorin Elisabeth Kindel

P.S.: Ich hab mal ausgerechnet: Es waren 121 Arbeits­stunden, die erbracht wurden! Die Kuchen­bäckerin nicht mitgerechnet ;-)

Der Messias (2022)

Die Kantorei hatte schon während der Corona-Pandemie immer wieder Chöre aus Händels Messias geprobt, um ein Ziel und eine Hoffnung zu haben. Am 16.11.2022 fand dann die Aufführung statt, nachdem das letzte Oratorien­konzert schon drei Jahre zurück lag.

Um die Entstehung des Werkes rankt sich die Legende, dass Händel nach der Genesung von schwerer Krankheit das Oratorium als Dank an Gott komponierte.

Die Solisten waren: Leevke Hambach (Sopran), Stefan Kahle (Altus), Christopher B. Fischer (Tenor) und Diogo Mendes (Bass). Begleitet wurden sie vom Ensemble Musica Lipa.
Schütz gesungen: Erfahrungsbericht aus der fünften Reihe (2022)

»Singt Schütz!« hatte das Kirchen­chor­werk der Ev.-Luth. Landes­kirche Sachsens auf­gerufen, und unsere Kantorei war zu­sammen mit dem Jugend­chor im Leip­ziger Süden eine von neun, die den Ruf erhört hatten. Anlass war der 350. Todestag des Kompo­nisten, der vor Jahrhunderten meisterhaft für mehr­stimmige Chöre komponiert hat.

Wir führten das Programm am 30. Juni auf, einem eher publikums­unfreundlichen Donnerstag.

Neben Werken von Schütz hatten wir »Cantate Dominum« von Hans Leo Hass­ler, einem noch früheren Meister, und »Fürchte dich nicht« von Johann Christian Bach einstudiert – über Monate hinweg, und immer wieder hatte die pandemische Lage den Fortgang der Proben erschwert.

Kantorin Elisabeth Kindels beharr­lichem Dran­bleiben ist es zu verdanken, dass wir ebenfalls dran­blieben, genau wie der Jugend­chor unter Kantorin Ulrike Pippel. Erst kurz vor der Auf­führung trafen die Chöre auf­einander und auf das Ensemble Capella de la Torre, das das Kirchen­chor­werk für das Projekt engagiert hatte.

Dabei erwies sich, dass die musika­lischen Vorstel­lungen nicht in allen Punkten überein­stimmten. Die Cappella spielte die alten Werke routiniert, während wir uns zunächst in das gemein­same Spiel einfinden mussten. Besonders das Werk »Fürchte dich nicht« forderte uns mit langen gehaltenen Noten heraus, was der Cappella nicht entging. Sie entschied am Tag der Auf­führung, das Stück nur mit Orgel, nicht aber wie ver­einbart mit Bläsern zu begleiten.

Wer jemals auf einer Bühne stand und vor Publi­kum auf­getreten ist, weiß: Dass der Funke über­springt, lässt sich nicht erzwingen. Die Kirche war gefüllt, nicht zum Bersten, aber ordentlich. Der Musik­wissen­schaftler Martin Krumbiegel sprach zur Ein­ordnung. Einen Teil der Stücke spielte die Cappella allein, einen Teil sangen die Chöre, unter­schiedlich begleitet. Es war das erste Konzert seit Corona, und es gelang. Und gerade das gefürch­tete »Fürchte dich nicht« gelang, denn wir wuchsen über uns hinaus. Es gelang mit minimaler Beglei­tung so, dass man am Ende eine Steck­nadel hätte fallen hören können, ehe Applaus toste.

»Singt Schütz!« hatte man uns aufgefordert. Haben wir gemacht. Und uns nicht gefürchtet.

Jana Dichelle

Wochen im Elias-Fieber (2018)

Auf der Kantorei-Seite kann man über uns lesen, dass wir »selbstbewusst, motiviert, offen, vielfältig und erwartungs­voll« sind. Das stimmt in der Tat, aber gerade im Rückblick auf die letzten Monate möchte ich einen ganz wichtigen Faktor hinzu­fügen: Wir werden geleitet, gefordert und gefördert durch unsere Kantorin Elisabeth Kindel, die hohe fach­spezifische Fähigkeiten mitbringt und diese – gepaart mit tiefer religiöser Überzeugung – motivierend und engagiert auf ihre Kantorei überträgt, was sicher nicht immer leicht ist, denn es gilt, über 80 Sänge­rinnen und Sänger zwischen 20 und 80 Jahren alt, die unterschied­lichste berufliche, private und musikalische Erfahrungen und Meinungen mitbringen, zusammen­zuführen und zum diszipli­nierten Kantorei- und Proben-»Dienst« anzuhalten. Unsere Kantorin hat gerade in den Vorbe­reitungs­monaten auf die »Elias«-Aufführung diese Mammut-Aufgabe geschafft – auch durch einen guten Umgang mit kooperativen Hinweisen und dem Einsatz von organisatorischen Helfern »hinter den Kulissen«.

Nach dem Konzert am Buß- und Bettag am 21. No­vember 2018 in unserer herrlichen und bestens gefüllten Paul-Gerhardt-Kirche sind wir von der Kantorei – jeder Einzelne – dankbar und auch ein wenig stolz, dass wir Teil der Musizier­gemeinschaft sein durften, die Mendels­sohns groß­artiges Werk »Elias« erklingen ließ. Wir haben das Publikum in der Kirche angesteckt mit unserem »Elias«-Fieber, und die Menschen hatten direkt oder unbewusst begriffen, wovon der Chor sang: »Wohl dem, der den Herrn fürchtet«. Durch vielerlei Rück­meldungen erfuhren wir, dass die Zuhörer emotional stark beeindruckt waren von der einheit­lichen und über­zeugenden Umsetzung des Werkes durch den Chor, durch Orchester und Solisten – geleitet durch das souveräne Dirigat unserer Kantorin.

Probenwochenende in Dahme/Brandenburg

Dieses Konzert war und ist ein Meilenstein in unserer Kantorei-Geschichte, der das enge Band zwischen Kantorin und Kantorei noch fester geknüpft hat. Es lässt uns die Mühen des Proben-Alltags vergessen und ist Kraftquell für kommende Aufgaben. Einhellig stellen wir fest: Es hat sich gelohnt, keiner denkt mehr zurück an die Hürden des Proben­beginns im Sommer 2018, wo manche musika­lische Passage doch noch sehr »ausbau­fähig« klang. Aber wir ließen uns nicht entmutigen: Voller Elan blieben wir am Ball, übten, diskutierten, übten erneut, trafen uns zum Proben-Sonnabend im September, dann zum Proben­wochen­ende Anfang November in Dahme, wo endlich auch mal Zeit war zum Schwatzen und Feiern, wo aber erneut »Elias« viele Stunden am Tag unser Wirken bestimmte. Und manchmal fragten wir uns: woher nimmt unsere Kantorin mental und künstlerisch die Kraft, die sie auf uns überträgt, was auch die Fotos von der Kantorei­fahrt nach Dahme ein wenig zeigen sollen. Danke, liebe Elisabeth und danke auch an Daniel Vogt, dem hervor­ragenden Kor­repetitor an deiner Seite, der uns zum Proben­wochen­ende noch mit einem genialen Orgelvortrag zu später Stunde begeisterte.

Wir von der Kantorei gehen nach diesen »Elias«-Wochen gestärkt und fröhlich an unsere schönen und vielfältigen Aufgaben; ob in Gottes­diensten, bei Konzerten, bei Feiern im kirchlichen Alltag oder bei geselligen Kantorei-Festen. Gemeinsam beseelt uns unser Auftrag

»Cantate domino« – Singet dem Herrn!

Text: Ute Frester, Chorsprecherin
Fotos: Dirk Heyne, Chorsprecher

Die Aufnahme soll einen Eindruck des Konzert­abends wiedergeben. Zu hören sind der Schluss­chor des 1. Teils »Dank sei dir, Gott« und aus dem 2. Teil der Chor »Siehe, der Hüter Israels« (ab 4:12 min).

Antonio Vivaldi: »Gloria in D-Dur« (2018)

Am Ostersonntag zum Festgottesdienst führte unsere Kantorei das »Gloria in D‑Dur« von Antonio Vivaldi (1678–1748) auf. Es spielte das Ensemble Jürgen Hart­mann, es sangen die Solistinnen Susanne Haupt (Sopran) und Ingeborg Nielebock (Alt). In unserer Hörprobe finden Sie die Teile »Gloria«, »Et in terra pax« (ab 2:28 min) und »Domine, fili unigenite« (ab 5:55 min):

Antonio Vivaldi hat dieses sein bekanntestes kirchenmusikalisches Werk vermutlich für das Orchester und den Chor des Mädchen-Waisenhauses »Ospedale della Pietà« in Venedig geschrieben, wo er als Instrumentallehrer und Kapellmeister angestellt war. Unter seiner Leitung erlangte das Orchester ein beachtliches Niveau, sodass Konzerte mit Eintrittsgeldern gegeben wurden, die zum Erhalt des Waisenhauses beigetragen haben. Das »Gloria« ist ein groß angelegtes Werk im Stile der »missa concertata« und umfasst zwölf Teile. Der lateinische Text stammt aus der Liturgie, die auch heute noch in der katholischen Sonntagsmesse gesungen bzw. gebetet wird.

J. S. Bach: Weihnachtsoratorium zum Zuhören und Mitsingen (2017)

»Jauchzet, frohlocket« gemeinsam mit Kantorei und Orchester – ein besonderes Weihnachts­oratorium fand am 15. Dezember 2017 in der Connewitzer Paul-Gerhardt-Kirche statt: Bei dieser Aufführung durfte mit­gesungen werden! Es erklangen die Kantaten I–III des Weihnachts­oratoriums von Johann Sebastian Bach. Wer mitsingen wollte, brachte eigene Noten mit und saß im Publikum. Die Choräle und das Da capo der Eingangs­chöre der ersten und dritten Kantate konnten mit­gesungen werden.

Begleitet wurden die Paul-Gerhardt-Kantorei und der Kirchen­chor St. Boni­fa­tius-Süd (Leitung: Stephan Gogolka) vom Mittel­deutschen Kammer­orchester und den Solisten Susanne Haupt (Sopran), Ingeborg Nielebock (Alt), Stephan Scherpe (Tenor) und Stephan Heinemann (Bass). Die Leitung hatte Elisabeth Kindel.

Das folgende Audio enthält in einer Zusammenstellung die Chöre und Choräle »Jauchzet, frohlocket«, »Wie soll ich dich empfangen« (ab 8:35 min), »Ach mein herzliebes Jesulein« (ab 9:53 min), »Brich an, o schönes Morgenlicht« (ab 11:10 min) und »Herrscher des Himmels« (ab 12:15 min); es soll einen kleinen Eindruck des Konzertabends wiedergeben:

Musik zur Sterbestunde am Karfreitag (2017)

In der Paul-Gerhardt-Kirche erklang in diesem Jahr der Kreuzweg (»Via crucis«) in der Vertonung von Franz Liszt (1811–1886). Das meditativ-expressive Stück – eine musikalische Kreuzwegandacht – ist für Chor, Bariton und Orgel geschrieben worden. Es ist ein Alterswerk des spätromantischen Komponisten, der sich im Alter vermehrt den geistlichen Themen zuwandte und sich sogar die sogenannten »niederen Weihen« (eine Vorstufe zum Priestertum) geben ließ. Das Werk vereinigt Gregorianik, prostestantisches Kirchenlied, Choralsatz à la Bach, expressive Harmonik, unbegleitetes Solorezitativ, dramatisches Chor-Unisono und terzenselige Frauenchor-Passagen. Diese vielfältigen vokalen Elemente sind eingebettet in einen gleichzeitig einfachen und raffinierten Orgelsatz. Technische Einfachheit und musikalische Vielfalt prägen das Werk, das in unserer Aufführung von Bildern zu den Kreuzwegstationen begleitet wird.

Die Kantorei der Paul-Gerhardt-Kirche wurde von Daniel Beilschmidt an der Orgel begleitet. Die Leitung hatte Kantorin Elisabeth Kindel.

Einige Ausschnitte sind hier in einem Video zusammengestellt:

Kontakt Paul-Gerhardt-Kantorei

face   Enrico Langer
local_phone   (0341) 212 00 94 36